Tanz der Kulturen – Tag 2 & 3

Die letzten beiden Tage vergingen wie im Flug. Wobei, vielleicht ist Fliegen einfach keine gute Metapher was mich angeht, denn die 1:20 h Flug kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Also gleich nochmal: die letzten beiden Tage waren schnell gegessen. Ja, das klappt besser. Schnell fressen essen kann ich.

Wir hatten Presse Hands-On Vorführungen, die folgendermaßen abliefen:

  • Zwei Pressevertreter pro Funcom-Mitarbeiter (3 davon vorhanden)
  • 30 Minuten Hands-On einer exklusiven Missionsreihe (eine Gruppe nach der anderen)
  • Am Mittag hatten wir 30 Minuten Pause.

In den zwei Tagen hab ich mir also nicht nur den Mund fusslig geredet, sondern auch die volle journalistisch-kulturelle Breitseite abbekommen. Ich bin zwar auch schon über vier Jahre bei Funcom, aber eine solche Vielfalt hatte ich noch nie in so kurzer Zeit an der Backe. Folgende Dinge sind mir dabei aufgefallen und diese Beobachtungen erheben keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sind nur die Wiedergabe persönlicher Erlebnisse:

  • Deutsche Journalisten: außergewöhnliche viele Nachfragen auch während der eigentlich sehr straffen Präsentation. Alle Anwesenden haben sich Notizen vom Erlebten und Erzählten gemacht. Obwohl nicht alle MMO-Spieler waren, haben sie die Spielmechaniken sehr schnell begriffen und gut umgesetzt.
  • Russische Journalisten: großes Interesse an den Spielsystemen. Sehr schnell taktische Verwendung von Fähigkeiten zu beobachten. Ansonsten still und fokussiert.
  • Französische Journalisten: Höflich. Still. Nachfragen zum Storyverlauf und dem Sinn hinter der Mission. Wenig MMO-Spieler dabei. Schwierigkeiten bei Encountern.
  • Spanische Journalisten: Diskutierten wie wild mit ihren Kollegen während der Präsentation, hörten mir eigentlich fast nicht zu, waren aber offensichtlich sehr involviert.
  • Japanische Journalisten: akribische Notizen (eine Frau), Bildschirm wurde abfotografiert und es war die größte Begeisterung zu spüren mitsamt Jubel beim Erlegen der Feinde.
  • Britische Journalisten: Kumpelhaft. Betont locker.

Als sinnlos detailverliebter Spinner fand ich diese Unterschiede sehr spannend und habe sie mir notiert, damit ich sie hier zum besten geben kann. Am spannendsten war die Präsentation für die japanischen Journalisten, die einen Dolmetscher dabei hatten. Der sprach nur Englisch, also musste ich einen fast 20-minütigen Redeschwall auf nur eine Hand voll wohlformulierte Sätze zusammendampfen. Als krankhafter Dampfplauderer und Weitausholer viel mir das schwer und es war mit Sicherheit die anstrengendste Präsentation von allen, nach der mir der Schweiß auf der Stirn stand, da ich fast so gewählt sprechen musste, als würde ich einen knapp formulierten Marketingtext schreiben.

Die Veröffentlichung des Secret War, der sich zum Zeitpunkt an dem ich diesen Blogpost schreibe – Donnerstag 0:08 Hotelzimmer – gerade in Wartung befindet, war großartig. Es war irre spannend für uns alle während der kurzen Mittagspause nachzuschauen, wie sich die Verteilung auf der Welt entwickelt hatte, wie unglaubliche viele Spieler aktiv daran teilnahmen und zur gleichen Zeit spielten. Ich hoffe, wir können die Facebook-Auflagen schnell erfüllen und die Spieler wieder in den Machtkampf schicken.

Am Ende des ersten Pressetages hatten wir dann zur Feier ein absolut herrliches Steak in einem tollen Steakhaus in London, das ich so schnell nicht vergessen werde. Dafür alleine haben sich der Flug und all die Strapazen gelohnt. Manchmal isst man und es schmeckt nicht nur, sondern es macht einen von innen glücklich.

Heute Abend dann aber war die Krönung. Erling ist ein großer Musical-Fan und hatte direkt nachdem wir den Tag abgeschlossen hatten und die Presseleute davon gewackelt sind, den tollen Einfall in Sweeney Todd zu gehen, das gerade hier in London spielt. Noch jetzt tanzen mir die Melodien im Kopf und ich summe einige davon vor mich hin, während ich diesen Text verfasse. Eine großartige Vorstellung. Tolle, überzeugende Darsteller und eine schaurig-bösartige Geschichte mit tollen Charakteren und einer überzeugenden “Moral-von-der-Geschicht”.

Ein Wort noch zu den Taxis in London. London is a hobbit town. Auch die Taxis sind wirklich für kleine, schmale Menschen gebaut. Zu dritt nebeneinander ist das ein Quetschfest und mit zwei mittelgewichtigten Norwegern fühlte ich mich wie eine Presswurst in der Pelle.

Morgen früh geht es für mich zurück nach Hause, ein weiterer Flug steht mir bevor, bis ich endlich wieder meine Freundin in die Arme schließen kann. So triefend schleimig wie das Ganze für manche klingen mag, aber auch nach vierzehn Jahren ist eine Woche ohne sie für mich fürchterlich. Mit diesen Gedanken schließe ich den Post ab und die Äuglein zu. Gute Nacht London. Gute Nacht John-Boy.

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