John Carter of Failure?

Public media loves nothing more, than spreading the word of bad news. Since no one wants to be late for the party, they start spreading the bad news as early as possible. Even more so, they start to fabricate their own bad news, by spilling the beans, using the viral nature of negativity and generating a self-fulfilling prophecy. They have forgotten their responsibility towards the people, towards the human lives they touch with their work. You may ask, “why start a blog-post about a movie called John Carter, by talking about such a hefty topic?” The proof reason is in the pudding.

John Carter is a character from a novel called A Princess of Mars. Many, if not most of you  reading this, have never heard of him, but you’ve seen his legacy in one way or the other; be it through the vistas of Tattoine, the technological mystery, the mythical aspects of the strongest media license in history: Star Wars, or you’ve seen the six-legged creatures in Avatar, met the reluctant hero stereotype in countless books and movies. All these were inspired by the creative creation of Edgar Rice Burroughs, who wrote his stories at the beginning of the last century. Many of the examples I just listed, are verified by their creators, they list Burroughs as their source of inspiration. It’s not a secret hidden agenda of a fanboi speaking.

Along comes the cynical media. The beast that always stirs. Sniffing for a carcass to rip, or if the need be, the potential helpless prey, that can be turned into such a dead piece of meat. After the first shots of the green men of Mars, the vistas of the red planet had been released, the wheels of bullshit were in full motion.

  • That looks like Avatar, just with green aliens
  • We already have one Star Wars, we don’t need another
  • We cry foul at this poor mans imitation of Avatar

I cry foul at the ignorance on display. I cry foul at the short-sighted, intolerant, destructive behavior of the beast media. They couldn’t wait; couldn’t offer a chance. They had to attack like a group of hyenas, a lonely wandering lion. A strong, proud lion. How could they attempt to bring down the creative creation of a hundred years worth of history? How could they destroy the work of so many talented individuals involved in this production? A production they hadn’t even seen. The lion was doomed from the start.

After the hyenas had charged and taken a couple of bites, more and more of the foul beasts came along, everyone with a mouth full of acid to spit over the poor thing, that was down on the ground, before it had ever taken a step on the savanna. An unable marketing campaign ruined the chance for the public to attach to the project, despite the doom and gloom saying of the ignorant media. The prophecy was fulfilling itself.

But the beasts weren’t satisfied. After bringing down any hope for a big opening weekend, they lay waiting. The lion got back up and the start of the movie was upon the world. They already knew what was going to happen. After they had done their utmost best to kill the project, the lion still opened with a 30 Million weekend in the US (it’s nothing brilliant, but it is far from a total disaster). That couldn’t be! They wanted it to be the biggest failure in movie history, or else their bullshit would not be true, so the hyena horde attacked again. It struck and bit; it pissed and spat. The beast had to die a horrible death, the defeat had to be perfect, or else… Cynical media.

Though I couldn’t help but to remind myself who drives the media. The media is a reflection of ourselves. A reflection of the culture we’ve created. Cynical media? Or cynical you? Think about what you consume; what you reward with attention. They only write, about what you want to read.

… oh and: go watch John Carter! Don’t believe the cynical media, the negative hype. Make up your own mind. It won’t change your life, but you’ll have a bloody good time, guaranteed!

Sklavenfeuer – Kapitel 2 – Teil 2

Ein lautes Pochen an der Tür riss Rahin aus dem Schlaf. Sofort fuhr ihm eine Angst in die Glieder, die ihn lähmte. Sie hatten ihn gefunden! Er sprang auf und sah sich wie ein nervöses Tier um, auf der Sache nach einem Ausweg, doch da war nur diese eine Tür und kein Fenster, das ihm eine Flucht ermöglicht hätte. Er sah hinüber zu Ikhlas, der langsam und gemütlich aus seinem Bett aufstand und ihn fragend anblickte.

“Was denn, was denn? So nervös schon so früh am Morgn? Leg dich wieder hin, Junge.” Mit ruhiger Stimme und langsamen Schritt ging er zur Tür und Rahin gefror das Blut in den Adern. Er wurde verraten! Er hatte doch gewusst, dass man diesem alten Mann nicht trauen konnte. Er beugte sich zu seiner Schlafmatte hinab und zog das Messer aus der Bettrolle. Sie würden ihn nicht kampflos überwältigen, nicht noch einmal würde er ohne Erinnerung in einem Käfig aufwachen und willenlos seiner Freiheit beraubt werden!

Die Tür öffnete sich und der Diener, der ihm Essen gebracht hatte, stand an der Tür und blickte freundlich in Richtung des angespannt, zum Kampf bereit stehenden Rahin.

“Der Kleine iss noch ein bisschn aufgeregt wegen Gestern. Komm erstma rein Ishfaq. Der wird sich sicher gleich beruhigen, ” sagte er, während er Rahin einen ernsten Blick zuwarf, “das wird er doch sicherlich, nich wahr Rahin? Beruhige dich endlich, du machst am Ende Ishfaq noch ganz nervös”. Ikhlas bedeutete Ishfaq hereinzukommen und wies ihm einen Hocker am Tisch zu, klopfte ihm freundlich auf die Schulter, setzte sich daneben und sah hinüber zu Rahin, der noch immer ungläubig auf die Situation starrte. Sein ganzes Wesen hatte sich darauf eingestellt, jetzt und in diesem Augenblick um sein Leben zu kämpfen. Er sah an sich hinab und betrachtete das lächerliche Brotmesser, das er krampfhaft in Händen hielt. Dann musste er lachen und zweifelte an seinem Verstand. Er hatte ernsthaft geglaubt mit diesem Messer einen Kampf gegen die Wächter des Sklavenhändlers führen zu können. Kopfschüttelnd lief er hinüber zum Tisch und setzte sich neben Ishfaq und Ikhlas.

“Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, verzeiht mein Herr,” er sah Ishfaq dankbar an.

“Mein Name ist Rahin, Sohn des Tuliak. Ich bin ehemaliger Hauptmann der Garde von Akbitana. In meiner Not wart ihr der Retter und habt mir Hoffnung gegeben, wo ich im heißen Wüstensand keine vermutete. Ich bin euch auf ewig zu Dank verpflichtet.” Er neigte seinen Kopf.

Ishfaq war gerührt, denn schließlich hatte er nur getan, was ihm sein Gefühl sagte. Er war noch nicht so lange in den Diensten des Händlers gewesen und so waren die einzelnen Schicksale eines jeden Sklaven für ihn eine Gräuel. Jedem sah er mit Mitleid nach und jedem Neuling hatte er versucht mehr Essen zu bringen, als es ihm erlaubt war. Er selbst wurde von seinen Eltern als kleiner Junge schon in die Sklaverei verkauft und kannte das freie Leben nicht. Sein erster Herr war jedoch ein gutmütiger alter Gelehrter und so hatte er außer einfachen Hausarbeiten, keine größeren Pflichten gehabt und die Zeit in Gefangenschaft, war für ihn eher wie eine Kindheit bei einem reichen Großvater gewesen. Der Alte hatte ihn Lesen und Schreiben gelehrt, hatte ihn in den Büchern lernen lassen und so einen Gelehrten aus ihm gemacht. Das Mal auf seiner Brust jedoch bestimmte sein Leben und noch ehe der Alte ihn kurz vor seinem Tode endgültig freigeben konnte, hatten die habgierigen Kinder des Alten dafür gesorgt, dass sie noch ihren Gewinn aus seiner Existenz ziehen konnten. Vor einem Jahr wurde er an den Sklavenhändler verkauft und hatte seit dem drei Karawanenzüge mitgemacht und über vierzig Sklaven kommen und gehen sehen. Die Botschaft der Schriftstücke und das große Herz seines alten Herren hatten ihn Demut und Mitleid gelehrt und so berührte ihn jedes Schicksal aufs Neue und er half den Opfern so gut er es eben konnte.

“Ihr beschämt mich mein Herr. Ihr habt es nicht verdient in Sklaverei zu Leben, ihr seid nicht wie ich von euren Eltern verkauft worden. Die Gesetze wurden gebrochen, um euch und so viele andere in diese Situation zu bringen.” Ishfaq neigte sein Haupt gegenüber dem, in seinem Kopf noch immer ihm höher gestellten Herren.

Rahin war erstaunt über die Demut, die dieser Diener an den Tag legte. Er hatte sich immer als einen der einfachen Soldaten und Wächter gesehen. Niemals wollte er der Sohn eines höheren Standes sein, der sich nur durch das Geld und die gesellschaftlichen Bände seines Vaters behaupten konnte. Er wollte schon als kleiner Junge seine eigenen Leistungen vollbringen und aus dem Schatten seines mächtigen Vaters treten. Die Sklaven seines Hauses waren ihm gern zugeteilt, da er sie wie Menschen behandelte, sie teilweise sogar mit Silber für ihre Dienste entlohnte, sodass sie sich trotz ihres unfreien Lebens auf dem Markt heimlich etwas kaufen konnten. Schon als Kind erschien ihm ein anderer Mensch immer dem anderen gleich, egal welche Hautfarbe, Herkunft oder Geburt er auch haben mochte.

“Es ist niemals wirklich rechtens, wenn ein Mensch in Sklaverei kommt. Mir ist klar, dass es unmöglich ist unsere Welt zu ändern und die Sklaverei auch ein wichtiger Teil vieler Gesellschaften geworden ist, dennoch verwehre ich mich dieser Ansicht und werde sie niemals teilen, noch verteidigen. Wie wir geboren werden bestimmt schon mehr als genug. Es gibt keine gleichen Möglichkeiten für alle etwas aus ihrem Leben zu machen. Dieser Umstand ist schon ungerecht genug, ganz ohne, dass einige privilegiert geborene Bürger es sich herausnehmen, andere wie Dinge zu handeln. Ihr müsst euch nicht erniedrigen, egal was die Regeln der Gesellschaft vorschreiben. Regeln wurden eines Tages erst geschrieben, davor gab es sie nicht und deshalb können und müssen sie auch immer wieder hinterfragt und angezweifelt werden.” Rahin hatte sich fast in eine feurige Wut geredet und stand aufrecht, als würde er vor dem Rat stehen und seinen Punkt verteidigen. Ikhlas hatte sich interessiert zurück gelehnt und seine Ausführungen gelauscht, als er langsam anfing zu grinsen und dann laut zu lachen.

“Was? Wieso lacht ihr? Denkt ihr nicht genau so wie ich? Wir zwei sind doch das beste Beispiel für diese Ungerechtigkeit!” Er fühlte sich bloßgestellt und schnaubte vor Wut, da er eine Antwort erwartete.

“Ach Junge,” sagte Ikhlas mit beschwichtigender Stimme, “in unsrer Welt ist so vieles ungerecht, da gilts nimmer zu zähln. Nimm dir was de brauchst und hoff, dass dich keiner dabei erwischt. Aber ich denke du hast schon Recht mit dem was de sagst. Die ganzen Weiber bei denen ich gelegen bin warn irgendwie alle gleich. Mal hübscher, mal hässlicher, mal wilder, mal zarter, aber irgendwie warn sie alle nur Weiber. Die weißhäutige Dame vom Hofe schrie genau so, wie die anderen und vergaß ihre Manieren und die gute Erziehung. Nur wolln das die Mächtign nich hörn. Das würde bedeuten, dass se kein Recht ham uns alle so zu scheuchn wies ihn grad passt, also bleibn die alten Werte bestehn.”

Die Ausführungen des alten Mannes brachten Rahin wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Er war nicht in der Position einen religiösen Kreuzzug gegen die Sklaverei zu führen, ganz besonders nicht, da er selbst ein Sklave geworden war.

Er sah zu Ishfaq hinüber und sagte, “Wie hat der Händler reagiert? Sucht er mich oder vermutet er, dass ich Hilfe bei meiner Flucht hatte?”

Ishfaq antwortete, “Heute Morgen gab es großes Gerede. Er schrie die Wachen an und trat die Leiche des Wachmannes und spuckte auf ihn aus Wut. Er vermutet niemandes Hilfe und lies sofort alle Wachen ausschwärmen, sodass sie die nähere Umgebung untersuchen konnten. Im Augenblick ist er fest davon überzeugt, dass ein Sklave ohne Kleidung und Geld nicht weit gekommen sein konnte. Ich denke, er wird alles daran setzen euch wiederzufinden, da ihr relativ nah an eurer Heimat seid und mit etwas Geschick, könntet ihr zu eurer Familie zurückfinden. Er weiß zwar nicht wer ihr seid, da er euch einer Gruppe Halsabschneidern abgekauft hatte, die wohl den Auftrag bekommen hatten, euch aus dem Weg zu schaffen, dennoch ist er sich sicher bewusst, dass ihr mächtige Verbündete haben würdet. Die nächsten Tage werdet ihr auf jeden Fall in dieser Hütte bleiben müssen, oder, um ganz sicher zu gehen, solltet ihr vielleicht in einem anderen Stadtteil Unterschlupf finden.”

“Aber der Kerl kann doch nicht alle Türen im Gesindeviertel eintretn, um nach Rahin zu suchn. Die Leute hier sind zwar arm, aber nich ganz bescheuert. Die würdn ihm was erzähln und nach kurzer Zeit würd er sich einign blanken Klingen gegenüber sehen.” Ikhlas wollte nicht, dass Rahin die Hütte verlässt, da er seit langer Zeit der erste Vertraute war, der im selben Boot saß und zugleich im Kampf geschult war. Er hatte sich erhofft nach der Abreise des Sklavenhändlers seine Geschäfte mit Rahin ausweiten zu können. Ein zweites paar Fäuste konnte in Akhlat den Unterschied zwischen Jäger und Gejagtem machen. Dennoch war er sich über die Möglichkeit bewusst, dass der fette Wicht im Falle von Rahin nicht so schnell würde aufgeben können, wie er das bei ihm, weit entfernt von einem feindlich gesinnten Zuhause, hatte tun können.

Der Diener wandte sich dem Hauptmann zu.

“Ich befürchte mein Herr, dass ihr etwas mehr wert seid und er deswegen auch bereit wäre deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen, um euch aus dem Versteck zu locken. Ihr wart ein außerordentlich gutes Geschäft. Wer auch immer euch von der Bildfläche verschwinden lassen wollte, war nicht nur grausam, sondern auch sehr wohlhabend”.

Rahin kam ins Grübeln. Neben all den Fluchtgedanken waren immer wieder diese Vermutungen aufgekommen, diese Gedanken an den Übeltäter, der dieses unfreiwillige Abenteuer erst losgetreten hatte. Aber diese Gedanken würden ihn jetzt nicht weiterbringen und so verbannte er sie aus seinem Geist und versuchte eine Lösung für das jetzige Problem zu finden.

“Ihr solltet dringend wieder zurückgehen und allen bei der Suche nach mir helfen. Ich möchte es nicht verantworten müssen, dass euch, der mir so viel Güte und Hilfe zu Teil werden ließ, etwas zustößt. Bitte geht kein weiteres Risiko ein, ihr habt schon genug für mich getan.” Mit Nachdruck sah er dem Sklaven des Händlers in die Augen und versuchte seinen Worten noch mehr Gewicht zu verleihen. Er würde jetzt erst einmal überlegen und zusammen mit Ikhlas die nächsten Schritte genau planen müssen  und dabei wäre Ishfaq keine Hilfe.

Ishfaq war sich über die Gefahr in die er sich gebracht hatte bewusst, wollte aber die Informationen, die er gesammelt hatte unbedingt weitergeben, da er befürchtete, dass der Händler diese Hütte finden würde.

“Ich werde zurück zum Händler gehen und ihr könnt euch derweil überlegen, welche nächsten Schritte ihr unternehmen werdet, um euer Leben in Sicherheit zu bringen. Viel Glück”. Er stand auf, nickte den beiden ehemaligen Kriegern zu, verließ zügig die Hütte und verschwand in den engen Gassen des Gesindeviertels von Akhlat.

Im Innern der Hütte herrschte betretenes Schweigen. Viele schwere Worte waren gesagt worden und die Handlungsmöglichkeiten für alle Beteiligten waren zugleich gefährlich eingeschränkt und doch so unsicher und offen. Ihre nächsten Schritte würden über Freiheit oder Gefangenschaft entscheiden.

Sklavenfeuer – Kapitel 2 Teil 1

Ein leises Kratzen holte Rahin aus seinem unsicheren Schlaf. Seine Brust brannte wie Feuer und erinnerte ihn daran, dass er die Erlebnisse der heutigen Nacht nicht geträumt hatte. Er setzte sich vorsichtig auf und sah sich um. Es war stockfinster, nur die Sterne warfen ein fahles Licht und er konnte kaum etwas erkennen, als er ein leises Zischen am hinteren Rand des Wagens hörte, „psst. Psst! Endlich bist du wach, Junge“, flüsterte eine leise Stimme.

„Komma her, ich muss mit dir reden, Junge.“

Rahin war vom Schrecken der Nacht noch benommen und kroch, ohne weiter nachzudenken, möglichst leise über das Stroh seines Wagens zum hinteren Ende, das fast am Ausgang der Seitengasse lag. Im schwachen Sternenlicht konnte er den scheinbar leblosen Körper einer Wache und die Schemen eines vernarbten Gesichts sehen, das ihm aus einem mit Zahnlücken versehenen Gebiss schief entgegen lächelte. Rahin starrte ihn ungläubig an.

„Sag erstma nix. Wir müssn hier weg, sonst ziehen se uns die Hammelbeine lang“, sagte das Narbengesicht und deutete mit der Hand in Richtung Ausgang der Seitengasse. Der entstellte Unbekannte schlich vorsichtig und leise um den Wagen herum und machte sich am Verschlussriegel des Käfigs zu schaffen. Mit einem leisen Ächzen der Eisenscharniere bewegte sich die sich nach oben öffnende Seitenklappe und ohne weitere Fragen zu stellen, schnappte sich Rahin seinen Umhang unter dem Stroh und glitt unter der schmalen Öffnung hinaus in eine ungewisse Freiheit. Leise schlichen die beiden von Blicken geschützt hinter dem Wagen entlang und rannten dann zügig und geduckt die letzten paar Meter, bis sie aus der Seitengasse hinaus waren. Rahin folgte der unheimlichen Gestalt ohne Fragen zu stellen. Die Art und Weise wie sein Retter sich durch die Straßen bewegte, deutete für ihn darauf hin, dass er sich nicht nur auskannte, sondern auch wusste, welche Gassen man genau wie nehmen musste, um etwaigen Blicken fern zu bleiben. Als Rahin für einen Augenblick nach oben sah und er den Nachthimmel ohne diese verteufelten Gitter sah, brannte das Herz in seiner Brust vor Freude und der Schmerz, der ihn an sein Mal erinnerte, war erst einmal vergessen.

Für den äußeren Beobachter scheinbar ziellos, führte ihn der Unbekannte durch die Gassen von Akhlat, um dann abrupt vor einer der vielen Hütten stehen zu bleiben. Er wandte sich zu Rahin um, stieß mit einem Arm die Tür auf und bedeutete ihm einzutreten.

“Wir sind am Ziel angekomm, Junge. Jetz aber rein mit dir”

Kurz überlegte Rahin, ob er mit diesem blinden Vertrauen nicht das eine Unglück durch ein anderes ersetzte, war sich aber dann doch darüber bewusst, dass er ohne diesen merkwürdigen Kerl noch immer in seinem Käfig sitzen würde. Er stieß den Gedanken von sich und trat ein in die von schummrigem Kerzenlicht erhellte Kammer. Sie war etwa vier auf vier Schritt groß, quadratisch geschnitten, die Wände waren fensterlos, der Boden bestand aus festgetrampelter Erde und war mit mehreren, einfachen Teppichen bedeckt. In der vom Eingang aus linken Ecke stand eine Holzpritsche, auf der ein Bett eingerichtet war, gegenüber an der rechten Wand, stand ein kleiner Tisch, auf dem zwei Krüge, zwei Teller, eine Kerze und verschiedenes zu Essen aufgebahrt war; direkt neben der Eingangstür zur Rechten war ein Regal, das einige Bücher, Kleidung, Geschirr und eine Set-Statue beherbergte. Es schien so, als war diese ganze Sache schon länger geplant gewesen, da der Zustand des Tisches, die zwei Hocker daneben, das zusätzliche Bettzeug, was zusammengelegt am Fuße des Bettes lag darauf hindeuteten, dass der Rahin so merkwürdig vertrauenswürdig erscheinende Mann einen Gast erwartet hatte. Die Tür schloß sich hinter Rahin, der Mann trat um ihn herum zum Tisch und setzte sich auf den Hocker, der zur Tür zeigte und präsentierte zum ersten Mal sein vollständiges, vernarbtes Gesicht, das von einer schiefen Knubbelnase gekrönt war. Strähniges, schwarzes, kurz geschnittenes Haar hing ihm spärlich ins Gesicht und er lächelte wieder. Er deutete auf den zweiten Hocker und sprach freundlich, “so jetz aber. Mach’s dir gemütlich.”

Rahin schritt langsam zum Tisch herüber und setzte sich zum ersten Mal seit über einer Woche wieder auf einen Hocker.

“Wieso habt ihr mich befreit? Und viel wichtiger, wer seid ihr überhaupt?” Rahin konnte nach der gespannten Stille nicht mehr an sich halten und sprudelte nur so vor Fragen.

“Iss erstma was. Ich werde dir derweil ne Geschichte erzähln und so hoffntlich auch gleich ein paar deiner Fragn” brummelte der Alte mit gutmütiger Stimme. Rahin ließ sich nicht zweimal Bitten und griff zu, denn der Tisch war vergleichsweise luxuriös gedeckt mit verschiedenen Früchten, Trockenfleisch, Brot und Nüssen. Hier inmitten der Wüste, so nahe an einer Oase, konnten viele Arten von Pflanzen angebaut und mit dem nötigen Wasser das ganze Jahr über versorgt werden, sodass sie mehrmals im Jahr Früchte trugen. Deshalb waren die Marktstände in der Stadt immer reichhaltig mit einem Überfluss an Früchten gedeckt und die Bewohner reichlich versorgt. Während Rahin also kräftig zulangte und seinen Magen und Mund mit wohltuenden Speisen füllten, setzte der Vernarbte zu seiner Geschichte an.

“Es war einmal ein alter Haudegen… ach ne weißte was? Machn wir ganz anders. Ich kürz das en bisschen ab.” Er fummelte an seinem Hemd herum und zog es aus. Auf seiner Brust prangte das Zeichen eines Sklaven und sein ganzer Körper war übersät mit Narben, die von Schwertern und Pfeilen herrührten. Rahin hatte gerade einen Krug zu Trinken angesetzt und verschluckte sich.

“Mein Name ist Ikhlas, ich war mal en Krieger, so wie du. Das iss jetz aber auch schon wieder zehn Jahre her. Die Geschichte is nicht so spannend. Ich komm eigentlich aus einer Stadt im nördlichen Stygien. Dort war ich stationiert, um die Übergänge des Styx zu bewachen und entsprechnd Zölle von den shemitischen Händlern zu kassiern. Unser Hauptmann hatte ne hübsche Frau und… er war nich so ganz der Mann, den sie sich versprochn hatte, also hab ich diesn Platz ausgefüllt.” Er lachte kurz gezwungen, bis ihm das Lachen in der Kehle stecken blieb und er einen Augenblick vor sich hin starrte.

“Der elende Hund hatte davon gehört, dass ich seiner Frau die Nächte verschönerte und konnte das Ganze nicht vor den Männern klären, die längst davon wussten. Also ließ er mich eines Nachts von irgend son paar Halsabschneidern abtransportiern. Die Hunde hattn aber nich vor mich einfach nur im Styx zu ersäufen. Die schafften mich übern Fluss und verkauften mich an diesen fetten Hund, dem ich auch dieses Bild auf der Brust zu verdankn hab”, er rieb sich die Brust, als würde ihm das Mal noch heute Schmerzen bereiten.

“Jo… das wars dann auch schon. Wir kam hier an, ich hab mir inner Nacht einen der Wachn geschnappt, die so hirnlos warn zu nah an den Käfig zu kommen und hab ihn mit bloßen Händn erwürgt, den Bastard. Raus ausm Käfig, rein in das Gesindeviertel der Stadt. Der Fettsack hatte noch zwei Tage nach mir suchn lassen, bis er sich dann endlich aus der Stadt verzogen hatte. Mit dem Mal konnte ich mich nirgends mehr Blicken lassen. Jede Stadtwache hätt mich sofort festgenommen und übern Styx zu schwimmen, inner Hoffnung, meine alten Kameraden würde für mich einstehn, war auch keine echte Wahl. Also hab ichs mir hier gemütlich gemacht”, er deutete mit einer Armbewegung auf das Innere der Hütte.

“Diese Hände”, sagte er, während er seine groben Pranken betrachtete, “könn Stehlen und Töten. Mehr braucht ma hier nich, um in Ruhe gelassn zu werdn”.

Rahin schluckte gerade einen großen Bissen mit einem Schluck Wasser hinunter und platzte dann hervor, “woher wisst ihr, dass ich ein Krieger bin und wieso habt ihr mich befreit? Es war doch ein Risiko für euch. Was versprecht ihr euch davon?”

Der Alte lachte, “haha, na was meint ihr? Seit der Zeit versuche ich den fettn Hund zu ermorden, wenn er sich hier Blicken lässt. Das iss nich gerade häufig und er hat wohl gehört, dass ich ihm ans Leder will. Da ich nich an ihn rankomme, dachte ich mir, stehle ich ihm ein paar seiner Sklavn. Er stellt zwar immer Wachn auf, aber die wissn nich wie ihnen geschieht. Alle noch grün hinter den Ohrn diese Söldlinge, pah! Ich habe schon Shemiten in unwegsamen Ruinen der nördlichen, stygischen Wüste die Köpfe abgerissn, da ham ihre Mütter noch in die Hosen geschissn… nich, dass die Schlampen bis heute damit aufgehört hättn… viel mehr als laufende Scheiße ist das junge Volk eh nich.”

Er hielt kurz Inne, um selbst einen Schluck aus seinem Becher zu nehmen, schaute kurz zu Rahin hinüber, lehnte sich nach vorne und schlug ihm kräftig und ermutigend auf die Schulter, “na jetz! Schau nich so bedeppert, Junge. So iss das Leben eben. Einmal zu viel den Zauberstab Sets in die falsche Schlangehöhle geschobn und schon bezahlste mit dem Leben dafür… Set gibts und Set nimmts.”

“Oh achja, ich hatte von irgend so einem Diener gehört, du wärstn ganz Netter und da ich gesehn hab, dass sich der fette Hund inzwischen nur noch mit sein Wachen ins Bettchen legt, weiß Gott, wasser den armen Jungs antut, dacht ich mir, da hol ich dich doch einfach ma raus. So, jetz kennste die Geschichte. Ich hab ja gesagt, is weniger spannend, als man annehm würde, wenn ma so eim Kauz wie mir durch die Gassn einer nächtlichn Stadt gefolgt is, aber so siehts nunmal aus.” Er verschränkte die Arme, um seinen Standpunkt zu unterstreichen und lehnte sich gemütlich gegen die Wand seiner Behausung.

Rahin hatte sich den letzten Bissen Brot in den Mund geschoben und schaute Ikhlas nachdenklich an. In all dem Trubel hatte er nur reagiert und niemals selbst die Initiative in die Hand genommen, auch hier in dieser Hütte angekommen, hatte er sich einfach nur Treiben lassen und hatte sich fast wortlos den Mund mit Essen und Trinken vollgestopft.

“Ich..,” Rahin nahm eine raue Hand von Ikhlas in beide Hände, kniete sich hin und senkte den Kopf, “ich bin euch zu tiefstem Dank verpflichtet. Verzeiht meine Manieren. Die Umstände haben mich vergessen lassen welches Risiko ihr eingegangen wart und welch’ gute Tat ihr getan habt. Bei den heiligen Schlangen eures Gottes, vielen Dank.”

Ikhlas war von dieser Geste tief im innersten seines alten, grauen Herzens gerührt und half dem immer noch erschöpft wirkenden Rahin auf die Beine, “nichts zu Danken, Junge. Nichts zu dankn. Ich habe nur gemacht, was mir meine altn Knochn befohln habn. Seit die große Schlange mich in diese Lage brachte, folgte ich nur noch meiner Nase und die folgte nur noch dem Wind, der sie in die eine oder andere Richtung drehte. Ha! Es ist schon ein verrücktes Leben”. Ikhlas schüttelte verbittert lächelnd den Kopf und lief hinüber zum Fuße des Bettes, wo das Bündel an Kleidung lag.

“Hier, Junge. Nimm das. Du wirst es brauchn, um dein Mal zu verbergn und dich, nachdem der Kerl seine Suche beendet hat, frei in der Stadt bewegn zu könn’. Komm aber nicht auf die Idee abzuhauen und dein Heil in der nächsten Stadt zu suchn und gehe nicht vor die Tore, wenn die Wachen wechseln. Die Schweine werden dich ansonsten untersuchen, das Mal finden und dich als entflohenen Sklaven einfangn, damit sie sich die fette Belohnung einstreichn könn.” Er reichte Rahin das Bündel an einfacher Kleidung, das aus einer Galabea – eine Art Nachthemdschnitt aus den südlichsten Gebieten (Shem, Turan, Stygien, usw.) des hyborischen Zeitalters – und einem Kopftuch, das man zu einem Turban aufwickelte, bestand und ihn klar als Bewohner des Gesindeviertels identifizierte. Dankbar nahm er die Kleidung an und streifte sich die ockerfarbene, aus einem mittelfeinen Leinen gearbeitete Galabea über. Er schaute an sich herunter und fühlte sich mit vollem Bauch und gehüllt in halbwegs brauchbare Stoffe zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder wie ein Mensch.

Rahin half Ikhlas die restlichen Nahrungsmittel wieder zu verpacken und legte sich dann den übrigen Schlafsack auf einem möglichsten geraden Stück des unebenen, festgetrampelten Bodens zurecht.

“Was wird als Nächstes geschehen?” Er schaute Ikhlas fragend an.

“Ich schätze… der nichtsnutzige Fettsack wird eine wilde Wut bekommn und versuchn dich ausfindig zu machn. Er wird so viele Hütten wie möglich untersuchen, bis das Gesindel zu viel davon bekommt und ihn in hohem Bogen ausser Stadt wirft. Danach werden wir uns en bisschn umschauen. Vielleicht können wir es zu zweit schaffen uns hier einen Namen zu machn. Alleine war mir das imma zu heikl. Aber das sind alles Gedankn, die wir morgen auch noch pflegen könn. Jetz schlaf erstma und keine Sorge, die Tür hält einiges aus.”

Rahin legte seinen Kopf auf die gerollte Decke, die er als notdürftiges Kissen improvisiert hatte und seine Gedanken kreisten. Er war jetzt ein freier Mann, mit dem Mal eines Sklaven auf der Brust und ohne Papiere, die seine wahre Identität beweisen konnten. So sehr er Ikhlas auch zu Dank verpflichtet war, so sehr war ihm der alte Mann unheimlich und beim Gedanken an die rauen, alten Hände, die das Leben des jungen Wachmanns so lautlos ausgelöscht hatten, griff er nach dem Messer, das er sich unauffällig in die Decke seines Kopfkissens eingerollt hatte und hielt es für einen Moment fest. Eine unruhige Nacht stand ihm bevor, eine erste, unruhige Nacht in trügerischer Freiheit.

Sklavenfeuer – Kapitel Eins – Teil 4

Die Karawane war einige Tage weiter gezogen und Rahin hatte während all den Tagen versucht seine Maskerade aufrecht zu erhalten. Der Mantel war noch immer gut unter dem Stroh versteckt, dass ihm am Tage Schutz vor der Sonne bot, er hatte sich Nahrung, sowie Wasser stark eingeteilt und über den Tag immer versucht so viel wie möglich zu Schlafen, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen. Langsam jedoch kamen ihm Zweifel an seinem Vorgehen und er war sich nicht mehr so sicher, dass es für ihn ein Entkommen gab. Ohne konkrete Pläne oder eine Möglichkeit, eine Lücke in der Überwachung, oder einem Weg aus diesem Käfig zu entkommen, würden alle Hoffnungen vergebens sein. Er hatte viel darüber nachgedacht, bei welchem Gelegenheiten er aus diesem Gefängnis entfliehen würde können, aber ohne äußere Einwirkung, zu diesem Schluss war er gekommen, gab es keine Möglichkeit.

Der Wagenzug war schon eine Weile an diesem Tag unterwegs und der Sonnenlauf war einige Stunden nach Mittag fortgeschritten, da kam wieder ein Rufen vom Kamelführer an der Spitze.

„Wir sind gleich an der Oase, nach diesem Hügel sollten wir das fruchtbare Tal sehen“, rief er mit freudiger Stimme zu seinen Kollegen hinüber.

Diese Worte waren für Rahin wie ein Schlag in den Magen. Der Tag war gekommen. Er markierte für ihn den Gipfel seiner Anstrengungen. Befreiung oder Untergang, für ihn schien es nur diese Möglichkeiten zu geben und da ihm noch immer kein brauchbarer Fluchtplan eingefallen war, schien ihm der Untergang, das Leben als Sklave, sehr viel wahrscheinlicher. Ein Gefühl der Erschöpfung lag auf seinen Schultern, obwohl er so erfolgreich überlebt hatte, schien jetzt die Niederlage unausweichlich.

Wie der Kameltreiber gesagt hatte, öffnete sich ihnen der Blick auf ein fruchtbares Tal. In einer Senke, die von ihrem gedachten Rand über vierzig Schritt tiefer lag, war ein glänzende Oberfläche zu sehen. Die Senke hatte die Form zweier Ovale und ebenso die Wasseroberfläche folgte dieser Grundform, die sich über die gesamte Senke fortsetzte. Direkt um das kühle Nass herum, hatte sich Schilf ausgebreitet und einige Meter entfernt standen Palmen, deren Wurzeln im Grundwasser der Oase standen und sich so im trockenen Boden am Leben erhielten. Die Senke selbst hatte massive Ausmaße und insgesamt, war sie sicher einige Kilometer breit. Hinter den Palmen türmten sich Gebäude auf. Die Dächer von Akhlat ragten über die Bäume der Oase auf und ihre spärlich geweißelten Bauwerke glänzten in der Sonne.

Als der Wagenzug in die Senke hinab rollte, konnte man erkennen, dass die Stadtmauer den zentralen See halb einrahmte und man so von Seeseite einen offenen Blick auf die Stadt selbst gewinnen konnte. Das Seeufer war dicht mit schäbigen Hütten bebaut. Die Wände waren aus Schilf und Kameldung, gemischt mit einer Art von Sandzement erbaut, dann mit Kalk oder hellem Schlamm bestrichen und versiegelt worden, sodass der Wind, Feuchtigkeit und auch der heftige Regen, der über eine Wüste fegen konnte, den Schilf in den Wänden nicht verfaulen ließ. Die meisten dieser Wohnstädten bestanden nur aus einem, mal größerem, mal kleinerem, Raum und einem Stockwerk. Sie hatten ein ebenso konstruiertes Dach, dass Abflusskanäle an den Außenrändern hatte, damit sich kein Wasser ansammeln konnte. Fenster waren gar nicht, oder nur sehr klein und spärlich vorhanden, sodass über die heißen Mittagsstunden, die Hitze nicht nach Innen dringen konnte. Die gesamte Konstruktion dieser Häuser war darauf ausgelegt, Feuchtigkeit von Innen nach Außen zu transportieren und die Wärme draußen zu halten, da die Bewohner sich am Tag kaum blicken ließen und das Leben in Akhlat erst in den frühen Abendstunden so richtig begann. Neben diesen kleineren Hütten gab es weiter zum Stadtzentrum hin größere Gebäude, die aber auf die gleiche Weise gebaut waren, mit der Ausnahme, dass der Verputz sorgfältiger und heller war und sich einige bunte Verzierungen und Borten um die Gebäude zogen. In der Abendsonne wurde die Stadt in ein tiefes Rot getaucht und verlieh dem eigentlich weißen Anstrich das Aussehen von getrocknetem Blut. Besonders der fleckige Putz verstärkte diesen Eindruck, da er dadurch so aussah, wie mehrere Schichten Blutkruste, auf einer schorfigen Wunde.

Die Karawane folgte einem Pfad, der durch die vielen Wägen, die hier Tag ein, Tag aus vorbei kamen, plattgewalzt war und so den Rädern der Wägen mehr Halt bot, als der lockere Sand oder das Geröll der Wüstenwege, die täglich von so viel neuem Sand und Staub überdeckt wurden, dass sie sich niemals ganz befestigen ließen. Der Weg schlängelte sich den mittleren See entlang nach rechts und dort zwischen einer Allee aus Palmen hindurch auf ein Stadttor, das mit zwei großen Holztoren befestigt worden war.

Als sie auf dem Pfad dem See näher kamen, wünschte sich Rahin ins Kühle Nass hinein zu springen, um sich den Staub aus den Knochen und die Dürre aus der Seele zu waschen und seine Glieder frei und unbeschwert im Wasser strecken zu können. Die roten Wände von Akhlat kamen dennoch unbarmherzig näher.

An den Toren der Stadt standen zwei einfacher Wächter mit Helebarden bewaffnet und hielten den Händler an. Die Soldaten schienen den Kopf zu schütteln und wiesen den Händler den Pfad, vom dem er gekommen war. Rahin konnte von hier hinten seine fetten Hände wild hinter seinem Tuchzelt hervor gestikulieren sehen, als sie plötzlich verschwanden und einen ausgebeulten Tuchbeutel zum Vorschein brachten. Der Beutel fiel in die Hände eines der Wachen, der ihn vorsichtig abwog und einen Blick hinein riskierte. Er schaute zu seinem Kollegen hinüber und nickte nur knapp, woraufhin der, den Weg in die Stadt freimachte und mit seiner linken Hand eine einladende Geste vollführte. Der Sklaventross setzte sich sogleich wieder in Bewegung und rollte weiter in die Stadt hinein, während sich die beiden Wachen höflich verbeugten. Im Vorbeifahren konnte Rahin sehen, wie eine der Wachen den Inhalt des Beutels, einige Silberstücke, auf seine Handfläche entleert hatte, die Münzen zwischen seinen Fingern tanzen ließ und dabei zufrieden grinste.

Kaum hatten sie die Stadtmauer passiert, da bogen sie schon in eine Seitenstraße ab. Scheinbar war die Ankunft dieser bestimmten Karawane in der Stadt nicht begrüßt worden und es mussten erst ein paar Silbermünzen den Besitzer wechseln, bevor die Menschenhändler Einlass in Akhlat bekommen hatten. Der Weg führte sie an der Mauer entlang, in ein Viertel, das in den Randbezirken lag und offenbar nur von Abschaum und gescheiterten Existenzen bevölkert war, wie der erbärmliche Zustand der Behausungen erahnen ließ. Da die Hitze des Tages inzwischen mit der Sonne hinter dem Rand der Senke verschwunden war waren die Gassen von Pennern und zwielichtigen Gestalten bevölkert, unter deren Mäntel man hin und wieder das Blitzen blanken Stahls erahnen konnte.

Nach einer weiteren Biegung kam der Wagenzug in einer Sackgasse zum Stehen. Das Kamel des Händlers wurde vom Treiber dazu gebracht sich hinzuknien und wenig später quälte sich der Wicht von seinem Sitz herab und verschwand in einer der Hütten. Der Rest der Wachen und Diener wusste wohl ohne weitere Erklärungen, was zu tun war, denn alle stiegen von ihren Kamelen, entluden die schweren Lastkörbe in verschiedene Hütten und vertäuten die Kamele. Einige verschwanden ebenso für die Nacht in verschiedenen Hütten, während andere am Eingang der Seitengasse Wache hielten und dafür sorgten, dass sich niemand den Kamelen oder den Wägen näherte. Rahin war von dieser Entwicklung nicht gerade erfreut. Der fette Wanst hatte scheinbar an alles gedacht und jeder Punkt seiner Route war schon einmal bereist worden und somit war es unwahrscheinlich, dass sich ein Fehler im System auftun würde, der ihm die Möglichkeit zur Flucht gewähren würde. Erschöpft von dieser Einsicht legte er sich schlafen.

Mitten in der Nacht wachte er wegen eines Geräusches an der Eingangsklappe seines Wagens auf. Er schnellte hoch, jedoch nicht schnell genug, denn schon tauchte eine Gestalt über ihm auf und stülpte ihm einen Sack über den Kopf und er spürte, wie sich ein Seil um seine Arme legte und zugeschnürt wurde, während er von mehreren Seiten mit Knüppelschlägen bedacht wurde, die ihn wohl davon abhalten sollten Gegenwehr zu leisten. Unsanft wurde er am Seil nach vorne gezerrt, der Boden seines Wagens sackte unter ihm weg und er schlug hart auf dem festgetrampelten Boden des Armenviertels auf. Die Luft entfloh seinen Lungen und er war für einen Augenblick einer Ohnmacht nah, dann zogen ihn vier kräftige Arme wieder auf die Beine und er hörte, wie sich eine Tür vor ihm öffnete und dann wieder hinter ihm schloss. Dann drückten ihn die zwei kräftigen Männer auf eine Holzliege. Kaum lag er dort, wurden seine Beine festgebunden und er konnte dumpf durch die Stofflagen um seinen Kopf zwei Personen sprechen hören.

„Der abgemachte Betrag“, sagte eine Stimme.

„Wie immer, wir verstehen uns doch“, sagte eine andere, die ihn stark an die des unförmigen Sklavenhändlers erinnerte.

„Dann mache ich mich an die Arbeit. Es sollte wie üblich zwei bis drei Stunden dauern…“ die Stimme kam näher an Rahin heran und er hörte einige Augenblicke später zuerst das Klopfen von Holz auf Stahl und spürte sogleich einen brennenden Schmerz auf der Brust, als irgend eine Nadel in seine Haut eindrang. Der Schreck lies ihn zusammenzucken.

„Na na, nicht so zappeln, sonst misslingt mir mein Kunstwerk“, beschwichtigte ihn die Stimme, die nun direkt über ihn gebeugt war.

Wieder das Klopfen und wieder dieses Stechen, dann schien der Hammer einen Rhythmus gefunden zu haben und wie ein unheiliger Steinmetz meißelte der Schmerz ein Bild in die Brust Rahins.

Sein Sklavenmal war nach zwei Stunden der Pein vollendet und niemand, außer seinen nächsten Verwandten, würde ihm mehr glauben, dass er kein wertloses Stück Fleisch war, das man wie eine Ware verkaufen konnte. So bekam der widerliche Händler seinen Nachschub, dachte sich Rahin. Normale Bürger wurden in ihrer Heimat entführt und dann illegal mit dem Sklavenmal versehen, sodass er sie weit weg von bekannten Gesichtern verkaufen konnte. Ein Schluck Alkohol, der wie Feuer in den vielen kleinen Löchern der Tätowierung brannte, war der Abschluss einer Tortur, die Rahin, mit Gedanken der Verzweiflung schlussendlich das Bewusstsein raubte. Er bekam nicht mehr mit, wie ihn die Lakaien lachend zurück in seinen Käfig trugen.

Sklavenfeuer – Kapitel 1 – Teil 3

Die frühe Morgensonne weckte Rahin und ihm fröstelte. Der Umhang hatte ihn in der Nacht gewärmt, sodass er gut durch geschlafen hatte, aber die kalten Morgenstunden und der frühe Morgen erinnerten ihn an seine Situation. Während gestern Abend, eingehüllt in den Mantel, das Gelaber der Händler im Hintergrund eine scheinbare Normalität eingekehrt war, so blickten ihn die Gitterstreifen mit Hohn an und seine Welt schrumpfte wieder auf die erbärmliche Größe zusammen, die sie auch in Wirklichkeit nur noch hatte.

Er schaute sich im Lager um und sah einige der Wachen noch einhüllt in ihre Schlafsäcke am Boden liegend, während die letzte Nachtwache ungeduldig darauf hoffte, dass die Sonne über den Horizont trat und ein wenig Wärme mit in den Morgen brachte. Die letzte Wache vor dem Sonnenaufgang war immer die schlimmste, erinnerte sich Rahin. Er hatte oft mit seinen Männern auf den Stadtmauern ausgeharrt und versucht ihre Laune mit warmen Geschichten und Späßchen aufrecht zu erhalten, aber so sehr man es auch drehte und wendete, die letzte Wache mochte niemand gerne antreten. Während man in der ersten Schicht einfach eine etwas längere Nacht hatte, so konnte man sich in der zweiten wenigstens darauf freuen nach einiger Weile halb müde wieder in den Schlafsack kriechen zu dürfen, um wenigstens noch ein paar Stunden im Land der Träume zu verbringen. Die letzte Wache jedoch warm unbarmherzig. Eine kurze Nacht wurde abrupt unterbrochen und man stieg in eine, je nach Witterung, feucht-kalte Ausrüstung, nur um dann in die kälteste Zeit der Nacht hinein auf den Mauern umher zu wandern. Die Stadt war in den frühen Morgenstunden am stillsten. Das Leben hielt insgesamt den Atem an, in gespannter Erwartung auf den neuen Tag und für einen Soldaten war diese Zeit so zermürbend, als hätte auch er für Stunden den Atem angehalten. Das schlimmste jedoch war der Dienstantritt am gleichen Morgen. Keine wohlige Erholung, keine erlösende Pause erwartete einen. Der Tag hatte begonnen und alle mussten zum Dienst antreten. Meist war es sogar an den Morgenwächtern die anderen aufzuwecken, was nicht selten mit dem einen oder anderen Stiefel gedankt wurde.

Als Hauptmann war es seine Aufgabe gewesen die Truppen über die Nacht bei Laune zu halten, oder zumindest so verstand er seine Aufgabe in den Nachtstunden. Er hatte Hauptmann Aresh mal mit Dirnen im Wachraum erwischt, als er selbst noch in der Ausbildung war. Als einfacher Wachmann musste man so etwas allerdings herunterschlucken, denn die Hauptmänner hatten Befehlsgewalt über das eigene Glück. Da er selbst mitbekam wie die Truppen über Aresh sprachen und wie widerwillig sie seinem Befehl folgten, wusste er, dass er sich vor den Männern keine solchen Entgleisungen leisten wollte und konnte, würde er eine brauchbare Truppe haben wollen.

Als einer der Wachleute seine Blicke bemerkte brüllte er ihn an, „hör auf zu Glotzen, du verfaulter Abschaum“, und riss ihn aus seinen Erinnerungen zurück in die brutale Wirklichkeit.

Rahin wendete den Blick ab und kümmerte sich darum den Mantel unter dem Stroh zu verbergen, sodass er sich in den kommenden heißen Mittagsstunden vor der Sonne damit schützen konnte. Während er sich das Stroh zurecht legte und froh war alleine in diesem Käfig und nur für seine eigene Reinlichkeit verantwortlich zu sein, hörte er ein leises Geräusch an seinem Käfig. Der Diener von gestern Abend verließ seinen Käfig und hatte ihm etwas unter das Stroh geschoben. Vorsichtig sah er sich um, beugte sich vor und griff unter das Stroh. Er fand ein kleines Bündel vor, dass er sogleich unauffällig in einer Strohsenke aufschnürte. Er traute seinen Augen kaum, als ein Block Brot und ein Stück Trockenfleisch hervor kam; ein dunkles, ausgedörrtes Stück Fleisch, dass mit Salz bestreut in der Sonne getrocknet worden war, als typische Reiseverpflegung diente und sehr nahrhaft war. Er riss sich ein kleines Stück Brot ab und biss ein kleines Eck vom Trockenfleisch ab und fühlte sich gleich sehr viel besser. Dieser verhüllte Diener verblüffte ihn. Jetzt hatte er schon zum zweiten Mal in so kurzer Zeit sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um einem wildfremden Mann zu helfen. Rahin war erpicht darauf herauszufinden was der Grund dafür war, denn, so wie der Diener aussah, war er schon eine Weile in Diensten des Sklavenhändlers und konnte unmöglich jeden Sklaven so zuvorkommend behandeln, was also hatte ihn dazu gebracht in diesem Fall eine Ausnahme zu machen? Niemals konnte einfach nur seine Herkunft ein Grund dafür sein, da sie hier und auch in Zukunft keine Rolle spielen würde. Er war sich bewusst darüber, dass diese Neugier eine willkommene Abwechslung auf der Reise sein und ihm eine Aufgabe geben, die ihn geistig gesund und wach halten würde. Zu viele Sklaven hatten auf diesen wochenlangen Wüstenreisen unter der brennenden Sonne, im Nichts der leblosen, weitläufigen Wildnis, deren Formen und Farben vom ewigen Wind und Wetter so weit abgeschliffen waren, dass nur noch die kleinsten Hügel eine Abwechslung in den Horizont der Ödnis brachten, ihren Geist verloren und waren danach gebrochen.

Hatte sich ein Mann einmal in der Wüste verloren, gab sie ihn nicht mehr preis. Entweder er verliebte sich in ihre Stille, ihre Klarheit und suchte fortan ein Leben in oder an ihr, oder er wanderte ziellos in ihrer Trostlosigkeit, wahnsinnig geworden durch die brennende Sonne und Wassermangel. Manche kamen wieder zurück aus einer solchen Odyssee, aber die weisen, alten Frauen sagten, dass es nur ihre Körper waren, die zurück kamen, ihr Geist irrte für den Rest ihres Lebens durch die ausgetrocknete Einsamkeit und erst im Tod würden sie wieder vereint.

Es kam langsam Leben ins gesamte Lager, als die letzten Nachtwachen ihre noch schlafenden Kameraden weckten und mit rüden Kommentaren bedacht wurden, die kurz später mit einem herzhaften Lachen entkräftet wurden. Rahin versteckte schnell das Bündel unterm Stroh und brütete weiter über den Absichten des Dieners, während er den Wächtern dabei zusah, wie sie das Lager abbauten.

Alles Nötige wurde zusammengerollt, unter die Wagen gehängt, in die Seitentaschen der Kamele gestopft oder im Falle der Teppiche zusammengerollt an ihren Flankentaschen verschnürt. Die dickköpfigen Tiere waren nicht alle damit einverstanden, wieder mit dieser schweren Last über den Tag beladen zu werden, röhrten empört und manche standen einfach auf und wollten schon losmarschieren und mussten dann sanft mit der Gerte dazu überredet werden, doch noch eine Weile zu knien.

Erst nachdem alle bereits aufgestanden waren, die Wagen bereits halb aus der Lagerstatt herausmanövriert waren, bewegte sich etwas im Zelt des Händlers. Er rollte sich faul aus seinem Überdach, räkelte sich und winkte Diener heran, die ihm sein Frühstück servierten; während er speiste, wurde sein Überdach wieder auf sein Kamel gehievt und dort fest gemacht. Danach wankte er zu seinem Kamel, bemühte sich in seinen Sitz und der Kameltreiber lies das Tier emporsteigen und führte es an die Spitze der Karawane, wo es als Leittier fungierend den Rest der Tiere führte, ohne, dass diese direkt geführt werden mussten. So hatte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen; der Fettwanst hatte ein starkes Kamel unter seinen Hüften und man benötigte weniger Führer, da man die Hierarchie der Kamele respektierte und sie so bereitwilliger folgten.

Die Karawane zog den Tag über ruhig vor sich hin und das Wetter war ihnen wohlgesonnen. Der Wind hatte nachgelassen und die Gesichtstücher der Wachen hingen locker an ihren Turbanen und waren nicht mehr fest gewickelt. Lockere Gespräche machten die Runde und Rahin hatte keine Probleme sich unter dem Stroh und dem Mantel vor der direkten Sonne zu schützen. Er versuchte seine Kräfte zu schonen und etwas zu schlafen, da er ohnehin im Augenblick nichts an seiner Situation ändern konnte. Über den Tag verteilt aß er immer wieder einen Bissen und trank einen Schluck aus seinem Wasserschlauch. Etwas jedoch, bereitete ihm Sorgen. Er hatte keine Zeit gehabt näher darüber nachzudenken, da er zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen war, aber jetzt fiel ihm wieder ein, wohin der Weg ihn und die Karawane führte.

Nicht unweit von Akhlat entfernt begann das Gebiet der Zuagir, eines Wüstenstammes, der sich die rote Wüste zur Heimat erklärt hatte und dort nicht gerade selten für Überfälle auf Karawanen und ganze Städte verantwortlich gewesen war. Zwar war der Stamm nicht mehr so wild und groß, wie er es vor fünfzehn Jahren, unter Herrschaft eines merkwürdigen Nordländers gewesen war, jedoch forderten die Überfälle jedes Jahr viele Tote unter den Wüstenbewohnern und er fragte sich, ob er als Sklave der Zuagir besser dran wäre, als unter der Knute des fetten Händlers. Vielleicht würde er ihnen seine Dienste als Kämpfer anbieten können und so über die Zeit seine Freiheit gewinnen? Wahrscheinlicher wäre aber, dass sie nicht noch ein Maul gebrauchen konnten, dass es zu füttern galt. Die Wüste gab ihre Schätze nur den Wissenden preis und selbst die, die in ihr Tag aus Tag ein lebten, mussten für jeden Bissen hart arbeiten, für jeden Tropfen tief graben.

Bevor die Karawane in diesen Teil der Wüste kam, müssten sie zuvor Akhlat passieren, um dort Vorräte und Wasser aufzufüllen und wie der Händler angedeutet hatte neue Sklaven ankaufen, sofern der lokale Markt gerade etwas interessantes auf Lager hatte. Da Rahin am eigenen Leib gespürt hatte, wie dieser fette Wicht seine Handleswaren beschaffte, erwartete er fast, dass er sich seine Sklaven nicht auf dem Markt ankaufte, sondern irgendwelchen Schattenfiguren arme Seelen abkaufte, um sie dann anderenorts wieder als reguläre Sklaven zu verhökern. Hatte man einmal das Zeichen eines Sklaven, war es schwer nachzuweisen, welchen Standes man zuvor vielleicht einmal gewesen war.

Die Reise nach Akhlat würde noch ein paar Tage dauern und wenn, dann würde sich vielleicht dort die Möglichkeit bieten aus diesem Elend zu entkommen, entweder als Sklave oder als freier Mann, wenn er es schaffen würde zu fliehen, bevor das Zeichen des Händlers auf seinen Schultern bannen würde.

Sklavenfeuer – Kapitel 1 – Teil 2 (NaNoWriMo)

Die Sonne hüllte den Horizont in einen roten Umhang aus lichtem Feuer. Die Wolken zogen wie angezündete Wattebälle über den Himmel hinweg und vergingen langsam im Feuer des Abendrotes. Über den Tag hinweg hatte der Wagenzug keinen Schatten gefunden. Der einzelne Sklave hatte den ganzen Tag ungeschützt im Käfig aus vernieteten Eisenbändern gesessen und war dem Einfluss der unbarmherzigen Sonne ausgeliefert gewesen. Irgendwann nach den Mittagsstunden hatte die Sonne ihren Tribut gefordert und er fiel in eine gnädige Ohnmacht der Erschöpfung, die ihn bis zum Abend schlafen lies. So zog die Karawane weiter die geplante Route entlang und der Tag verging.

Die Temperaturen waren schon deutlich gefallen und die Wachen holten langsam ihre Umhänge von den Lastkamelen. Die Wüste hielt viel Extreme für die Reisenden bereit und so heiß die Tage auch sein mochten, so verhältnismäßig bitterkalt konnten die Nächte sein. Das Hin und Her war es dann auch, das die meisten Reisenden ihr Leben kostete, denn wer mitten in der Wüste einem Fieber zum Opfer fiel, hatte keine große Hoffnung auf Genesung, da die brutalen Temperaturschwankungen den Körper nur weiter schwächten und die Krankheit, sobald sie einmal Wurzeln gefasst hatte, nur verschlimmerten.

Ein lauter Ruf an der Spitze der der Karawane ließ ihn zu sich kommen, “Dort! Wir sind bald an der Lagerstadt angekommen. Los ihr Zwei, geht schon einmal und bereitet alles Nötige vor!”.

Er schlug die Augen auf, seine Sicht war verschwommen, sein Kopf brummte und pochte wie verrückt. Über den Tag hinweg war er fast vollkommen ausgetrocknet und trotz seiner dicken Haare hatte er sich einen leichten Sonnenstich geholt. Vorsichtig setzte er sich auf, als er sich auch schon übergab. Sein Körper pulsierte unter den Wellen der Übelkeit, doch sein Magen war leer und trotz all des verzweifelten Würgens kamen bestenfalls ein paar Tropfen Galle zum Vorschein. Das Würgen hatte eine Wache auf ihn aufmerksam gemacht und sie kam herüber zum Wagen gelaufen.

“Hier. Trink das. Wir wollen ja nicht, dass unsere wertvolle Fracht zu Schaden kommt”, mit einem höhnischen Grinsen auf dem Gesicht, überreichte die Wache ihm einen Wasserschlauch, den er gierig entgegen nahm. Nervös und fast wie ihm Wahn versuchte er den Schlauchkorken zu lösen und fummelte mehrfach vergeblich daran herum. Dann besann er sich, atmete kurz tief ein und konzentrierte sich. Er war sich darüber bewusst, dass es vorerst kein Entkommen aus dieser Situation geben würde und nur die vollkommene Selbstkontrolle verhindern konnte, dass er sich seinen Peinigern ergab und sie die Oberhand gewinnen würden. Er wusste, dass Folter eine mächtige Waffe ist, um den Geist eines Menschen zu brechen und sollte sich jemals eine Gelegenheit bieten zu Fliehen, dann würde er sie nur ergreifen können, wenn er zu jeder Zeit Herr seines Geistes war und kein ängstliches, unterwürfiges Hündchen, das panische Angst vor seinem Peiniger hatte.

Etwas ruhiger geworden, versuchte er abermals sein Glück und bekam den Korken aus der Öffnung gezogen. Trotz seines übermenschliches Durstes musste er sich auch hier beherrschen. Er rechnete damit, dass sie ihm immer nur das Nötigste an Flüssigkeit geben und darauf bauten, dass er gierig den Schlauch verbrauchen würde, nur um dann am nächsten Tag wieder einen Schwächeanfall zu erleiden. Stattdessen trank er genau so viel, wie er trinken musste, um bei Kräften zu sein und plante sich den Rest einzuteilen. Denn trotz der glatten, gepflegten Haut, den blank-weißen Zähnen und den gebürsteten Haaren, von deren Glanz inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben war, hatte er doch eine rigorose Schule durchlaufen. Als Hauptmann der Stadtwache und Sohn eines einflussreichen Händlers wollte er sich nicht Lumpen lassen, den anderen Rekruten zu beweisen, dass sie von keinem gutbürgerlichen Söhnchen angeführt werden würden, sondern von einem Mann ihres Schlages. Das Überleben in der Wüste, die Kenntnis über ihre Gefahren, sowie die Grundlagen über den Umgang mit Gefangenen und wie man sie am Besten bricht, waren selbstverständliches Wissen für einen Hauptmann und so auch Teil seiner Ausbildung.

Die Karawane hatte das Zwischenlager, von denen es entlang der Handelsroute mehrere gab,  um den Reisenden bei den immer wieder plötzlich eintretenden Sandstürmen, während der Dämmerstunden Schutz bieten zu können, erreicht.

Das Zwischenlager war eine Senke, die teilweise natürlichen Ursprungs war. Man hatte Steine und Felsen aus der Mitte der Senke auf den Rändern aufgeschichtet und sie so künstlich vertieft. Um Schutz vor den tückischen Winden und Sandstürmen zu bieten, waren außerdem schwere Holzbalken, schräg nach Innen zeigend, einige Meter tief in den lockeren Boden getrieben worden. Zwischen ihnen hatte man schwere Stoffbahnen gespannt, die den Wind und damit auch den Sand über die Senke leiten sollten. Da die umliegenden Städte und Handelszentren in eigentlich unwirtlichem Gebiet lagen, wurden entlang den Handelsrouten solche Plätze errichtet, um mehr Reisende Händler in die Städte zu locken. Viele Waren, die in den Städten benötigt wurden, fanden nur über den Handel ihren Weg in die entlegenen Wüstenstädte und somit waren die Herrscher gezwungen in den sauren Apfel zu beißen und die Lagerstädten aufrecht zu erhalten. Der Sand allerdings, wurde vom Wind Tag aus Tag ein durch die Luft gepeitscht und schmirgelte wie Schleifpapier pausenlos an den schützenden Stoffbahnen. Entsprechend war der Zustand der unterschiedlichen Lager vom Reichtum der nächsten Stadt abhängig. Hatte es ein schlechtes Jahr gegeben, fand man häufig zerfetzte Stoffbahnen vor, die hilf- und nutzlos im Wind flatterten und dem Reisenden keinerlei Schutz boten. Akbitana war eine reiche Stadt und die nahegelegene Oase sorgte für regen Durchgang und so fanden die Sklavenhändler hier eine gut gepflegte Unterkunft vor. Die Stoffbahnen waren erst vor kurzem erneuert und waren leuchtend rot eingefärbt worden, damit sie ein Unterschlupfsuchender schneller sehen konnte.

Als der Wagen des gefangenen Hauptmannes den Eingang passierte, konnte er sofort spüren, wie der Wind stark nachließ und die Luft einen guten Teil weniger staubig wurde. Er nahm erneut einen kleinen Schluck aus seinem Wasserschlauch, da seine Kehle noch immer sprichwörtlich staubtrocken war, außerdem schüttelte er den Kopf und versuchte den Sand und den Staub aus seinen Haaren zu bekommen, der sie fast grau gefärbt hatte. Durch die viele Bewegung spürte er plötzlich seinen Magen, der ihn daran erinnerte, dass es nunmehr über einen Tag her war, dass er etwas zwischen den Zähnen gehabt hatte und er war rückblickend fast froh darüber, dass er den größten Teil des Tages über geschlafen und so wertvolle Energien gespart hatte. Mit aufmerksamen Blick sah er sich um, während die Wachen und Diener langsam das Lager mit Leben füllten und sich im Schutze der Tuchwände niederließen.

Die Wagen wurden nebeneinander aufgereiht, sodass sie nur noch eine Armeslänge voneinander entfernt waren. Der Wagenzug musste Platz sparen, da sie zum einen ganze sechs Wagen dabei hatten, zum anderen die Kamele und Männer auch noch Lagerplatz benötigten und sie nicht als einzige diesen Unterschlupf aufgesucht hatten. Der Wagen des Hauptmannes wurde zu innerst eingereiht und er lagerte direkt neben den Kamelen, die von ihrer Last befreit in einer Reihe entlang der schützenden Stoffbahnen aufgestellt wurden. Die einfachen Wachen rollten ihre Schlafmatten, aus einfachem verbundenen Schilf, aus und schlüpften in Schlafsäcke aus zusammengenähten Wolldecken, die sie in der kühlen Wüstennacht warm halten sollten. Der Händler ließ sich in seinem Tuchzelt nieder, dessen Plattform einfach vom Rücken des Kamels herab in den Sand gestellt und in dessen Innern eine Liege aufgestellt wurde. Das Zelt war zwar nur sehr kurz, so dass seine Füße und die Liege aus dem Eingang heraus ragten, aber so hatte er es dennoch deutlich wärmer als die einfachen Krieger und vor allem konnte er bis in den Sonnenaufgang hinein tief im dunklen Zelt schlafen und wurde nicht von den ersten Sonnenstrahlen des nächsten Tages geweckt. Ein paar Bedienstete, die auf den Lastkamelen geritten waren, bereiteten für alle, aus den Vorräten ein Essen und machten zusammen mit Bediensteten anderer Wagenzüge im Zentrum ein Feuer aus mitgebrachtem und während der Reise gesammelten Kameldung, um darauf heißes Wasser für Tee zuzubereiten.

Wenig später erfüllte ein süßlicher Teeduft das Lager zwischen den Tuchplanen und die Nacht war vollends hereingebrochen. Die Sonne war einem pechschwarzen Nachthimmel gewichen und nur die funkelnden Sterne gaben etwas direktes Licht. Die verschiedenen Karawanengruppen saßen größtenteils auf ihren Teppichen, die sie im Sand ausgerollt hatten, rauchten Wasserpfeife und besprachen die erfolgreichen Geschäfte in der nahen Stadt. Der Hauptmann nahm bestenfalls Gemurmel war und konnte sich noch immer keinen Reim auf seine Situation machen. Was war mit ihm Geschehen? Wieso fand er sich in einem Sklavenkäfig wieder? Er dachte, jetzt wäre der Beste Zeitpunkt dafür, irgend etwas herauszubekommen und so rief er in Richtung des Karawanenführers, “ich gehöre doch nun sowieso zu eurem Hab und Gut. Könnt ihr mich nicht darüber aufklären, wie ich in euer Besitztum gekommen bin?” Der fett grinsenden Händler watschelte gelangweilt hinüber zu seinem Käfig, in der einen Hand eine Wasserpfeife, in der anderen einen Schemel. Er stellt den Schemel etwa 1 Meter vom Käfig auf und platzierte seinen enormen Hintern gemütlich darauf, sodass die breiten Füße merklich im Sand versanken. Nachdem er dann auch seine Wasserpfeife an Ort und Stelle aufgestellt hatte und zwei, drei Züge genossen hatte, richtete er das Wort an den Hauptmann.

“Hör zu du Sohn einer Kameltreiberin. Deine Vergangenheit ist jetzt Geschichte. Sobald wir in Akhlat angekommen sind, werde ich dir ein Zeichen eintätowieren, dass dich eindeutig als Sklaven ausweist und nichts, was aus deinem hübschen Mund”, dabei strich er sich genüsslich über die Lippen, “kommen mag, wird dich je wieder zu einem freien Mann machen. Hast du das verstanden?”

“Aber ich…”

“Kein aber ich! Ja mein Herr will ich hören, sonst füge ich zur Liste der Unbequemlichkeiten deiner Reise auch noch Peitschenstriemen auf deinem Rücken hinzu, auch wenn es ein Jammer wäre eine solche zarte Haut zu verletzen. Du bringst mit diesem Körper sicher unversehrt deutlich mehr am Markt. Dennoch! Wenn du es wagst mir nicht den nötigen Respekt entgegenzubringen, oder mich vor den Kunden bloßstellst, dann werde ich dir dein Leben zur absoluten Qual machen und du wirst dir wünschen, deine Mutter hätte dich nicht geboren!” Mit einem abschätzigen Spucken in Richtung Boden unterstrich er seine Äußerung.

Der Hauptmann schluckte kurz und dachte sich, dass aus diesem Kerl nicht viel herauszukriegen war.

“Ach ja,” wandte sich der Fettwanst erneut zu ihm, “in all der Hektik hatte ich ganz vergessen zu Fragen, wie dein Name eigentlich lautet. Immerhin gibt man auch einem Hund einen Namen.”

“Mein Name ist Rahin, ” antwortete der Hauptmann kurz und knapp. In seinem Kopf rasten die Gedanken. Wenn der dicke Händler nicht wusste wie sein Name lautete, dann wusste er auch nicht was ihm zugestoßen war und es würde nichts bringen ihn auszufragen. Wenn er nicht das Opfer eines einfachen Sklavenjägers geworden war, der Gefallen an ihm gefunden hatte, wieso war er sonst an diesem Ort. Er hatte den halben Abend schon überlegt, an was er sich als letztes Erinnern konnte, aber sein Kopf war immer noch wie in einen dichten Nebel gehüllt. Kein Bild, kein Name oder keine Örtlichkeit kam ihm in den Sinn. Dann besann er sich wieder auf seine jetzige Situation. Das Rätsel seiner Gefangenschaft würde er nur in Freiheit lösen können und nur darauf kam es im Augenblick an.

Der Sklavenhändler hob sich schwerfällig von seinem Schemel, nahm die Pfeife wieder in die eine, den Schemel in die andere Hand und wankte wie ein Seemann auf Deck eines Schiffes wieder zum Sitzkreis einiger anderer Händler und ließ sich dort ebenso schwerfällig nieder.

Kurze Zeit später kam einer der Diener mit einer Holzschale gefüllt mit einer Art Getreide aufgeweicht in Kamelmilch an den Käfig und schob diese vorsichtig durch einen schmalen Schlitz am Rand des Wagens, der gerade hoch genug war, um die Schale hindurchzustecken. Er blickte Rahin vielsagend durch seine tiefbraunen Augen an und nickte ihm kurz zu. Der Sklave konnte Mitleid in den Augen des Dieners erkennen und fragte sich, ob vielleicht er Informationen über seine Gefangenschaft hatte oder zumindest eher dazu bereit war etwas Wissenswertes preiszugeben. Leise beugte er sich vor und flüsterte dem Diener zu, nachdem sich dieser zum Gehen umgedreht hatte.

“Bitte wartet kurz. Wisst ihr etwas über meine Gefangenschaft? Wisst ihr wer ich bin? Habt ihr mitbekommen, wer mich eurem Herrn verkauft hat? Ich bitte euch, lasst mich nicht ohne Antworten in der Nacht zurück!”

Der Diener drehte sich nicht um, blieb aber kurz stehen und flüsterte leise nach unten, als würde er etwas auf dem Boden suchen, “ihr seid ein Hauptmann aus Akbitana. Ich hatte euch in den Straßen gesehen, bevor ihr in diesem Käfig aufgetaucht seid. Es tut mir Leid mein Herr, aber mir scheint irgend jemand hat euch Übelst mitgespielt. Ich hoffe ihr findet einen guten neuen Herren, der euch mit Respekt behandelt.” Der Diener setzte zum ersten Schritt an, blieb dann nochmals stehen, sah sich um und zog seinen Umhang aus. Er drehte sich um, ging zum Wagen zurück, kniete vor einem der Räder und fummelte an den Beschlägen herum, blickte sich erneut kurz um und schob dann den Mantel durch die Gitterstäbe hindurch unter das Stroh des Wagens. Dann stand er auf und im Weggehen konnte Rahin ihn noch flüstern hören, “legt euch über den Tag hinweg unter das Stroh und schützt euch mit dem Mantel vor der Sonne. Lasst nur niemanden den Mantel sehen. Ich werde ihn morgen Mittag, wenn wir schon eine Weile von hier fort sind, als verloren melden. Viel Glück Hauptmann.”

Rahin blickte dem Diener nach und war voll Dankbarkeit. Niemals hatte er gedacht, dass ein anderer Sklave, der, wie alle Sklaven, so viel Leid erfahren hatte, einem wie ihm so viel Freundlichkeit entgegenbringen würde. Er war schließlich einer der Herren. Er selbst hatte ebenso Sklaven gehalten. Sie wurden zwar entsprechend gut gehalten und entlohnt, dennoch waren sie Dank seines Reichtums ihrer Freiheit beraubt oder gar in Gefangenschaft geboren worden. Dank dieser Geste war er nun einen Schritt weiter in seinem Überlebenskampf. Schutz vor der Sonne und der vorsichtige Einsatz des Wasserschlauches, zusammen mit ein bisschen Schauspiel würden seine Handlungsfähigkeit in Zukunft sichern.

Sein Magen knurrte erneut und erinnerte ihn daran, dass dort ja noch eine Schale mit Brei auf ihn wartete, also griff er sich die Schale, deren schleimiger, aufgequollener Inhalt ihn früher sicher abgestoßen hätte, in diesem Augenblick gab es jedoch für ihn nichts besseres und der schwere Geruch der Kamelmilch stieg ihm wie der Duft eines festlichen Bratens in die Nase und all seine Sinne waren hell wach. Dankbar schlürfte er den Brei aus der breiten Holzschale, während er im Schneidersitz auf dem Stroh seines Wagens Platz genommen hatte. Für nur einen kurzen Augenblick schien die Welt in Ordnung und die Aussichten nicht mehr so grimm. Nachdem er gegessen hatte und sich sein Magen angenehm voll anfühlte, legte er sich ins Stroh, schloss die Augen und hörte nur noch einige Augenblicke das Gebrummel der tratschenden Händler und das Schnauben der Kamele neben seinem Wagen, ehe ihn die Nacht einhüllte.

NaNoWriMo Buch – Erstes Kapitel – Teil 1

Erklärung

NaNoWriMo ist eine Schreibaktion, bei der man versucht innerhalb eines Monats (November in diesem Fall) einen Roman/Buch mit mindestens 50.000 Worte zu schreiben. Dazu muss man regelmäßig und mit viel Energie bei der Sache sein und darf auf keinen Fall den Schreibfluss unterbrechen. Editiert wird nach dem WriMo, sonst ist es unmöglich diese Schreibleistung hinzubekommen. Falls ihr euch also dazu überreden könnt, meinem Leidensweg durch den WriMo zu folgen, dann seid nicht überrascht, wenn Kommas fehlen, ganze Worte in Sätzen (im Gedankenfluss denkt man manchmal Dinge, schreibt sie aber nicht) und insgesamt der Text vielleicht einiges an Überarbeitung gebrauchen könnte. Es ist eine Schreibübung, ein Ziel, eine Herausforderung und hoffentlich auch für alle Beteiligten – sowohl Mitleser, als auch Schreiber – ein bisschen Spaß.

Hinweis zum Buch

Die Geschichte spielt in der Welt des hyborischen Zeitalters, zu einer Zeit, als Conan der Cimmerier den Tron von Aquilonien schon bestiegen hat. Es ist also in etwa der gleiche Zeitrahmen, wie das Online-Rollenspiel Age of Conan oder für Howard Leser, die Stunde des Drachen.

Vorläufiger Buchtitel: Sklavenfeuer

Kapitel 1, erster Abschnitt – hat noch keinen Namen

Eine Staubwolke wälzte sich durch die Steinwüste in der Nähe von Akbitana, einer Stadt im südlichen Shem, nahe der Grenze zu Stygien. Akbitana war ein Zentrum des Handels, ein Umschlagplatz für Waren aus der ganzen Welt und geschäftiges Treiben erfüllte an jenem Tag den Sklavenmarkt. Käfige wurden geöffnet, Preise wurden ausdiskutiert und gierige, schleimige Hände, begrapschten die meist weibliche Ware und die Muskeln der wenigen männlichen Arbeitssklaven, aufmerksam.

Ein geschäftiger Tag kam zu Ende und die Karawane war am Morgen weitergezogen und folgte einer Route um den Feuerberg herum nach Akhlat, einer Oase am Fuße des Bergs, um dort neue Sklaven zu erstehen, die Wasservorräte aufzufüllen und so den Kreis des menschenverachtenden Handwerks zu schließen. Doch nun drang das tiefe Röhren großer Tiere durch den gelben Staubnebel außerhalb der Stadt. Im Innern der Wolke wiegten sich Kamele im Passgang von einer Seite zur anderen; ein paar der Wüstenschiffe trugen Körbe, während andere mit Gitterstangen verkleidete Wägen zogen. Die schweren, metallbeschlagenen Räder hatten breite Holzaufsätze, die ein Fortkommen, auch auf weniger festem Grund garantierten sollten. Die breiten, weichen Hufe der Tiere und die großen Auflageflächen der Räder nahmen immer wieder feinen Sand vom Boden auf, der dann vom Wind verblasen wurde und so den Wagenzug in eine wandernde Staubwolke einhüllte. Es herrschte außerdem eine starker Südwind, der die Luft mit feinstem Sand von den Ufern des Styx erfüllte und die Fernsicht an diesem Tag stark einschränkte.

Die Wagen waren bis auf einen, in dem eine scheinbar leblose Gestalt lag, leer und hatten keine Fracht geladen. Der Handel in Akbitana musste also erfolgreich gewesen sein, da auf dem vordersten Kamel, unter einem mit Tüchern verhüllten Hochsitz, auf dem Rücken eines Kamels, ein zufrieden grinsender, fetter Händler seinen Ertrag zählte. Die Wurstfinger zählten mit diebischer Freude die Gold und Silbermünzen, deren Anzahl feinsäuberlichst in ein Geschäftsbuch eingetragen wurde. Man sollte dem zamorischen Händler nicht nachsagen, er würde ein chaotisches Geschäft führen. Die Tradition, mit der man in Zamora den Sklavenhandel und Menschenraub betrieb, war legendär geworden und dieser folgend, konnte sich kein ernsthafter Sklavenhändler aus Zamora eine Blöße geben. Es wurde viel erwartet von den gierigen Menschen des alten Volkes der Zamorer, deren herzlose, selbstsüchtige Kultur, jegliches menschliche Laster zum Selbstzweck zelebrierte und dabei den Verlust des Lebens anderer nur all zu gerne in Kauf nahm.

Als jedoch der Wagenzug aus dem Schatten eines Auslegers der Feuerberge trat kam Leben in die Gestalt. Langsam stemmten zitternde, entkräftete Arme einen unbekleideten Oberkörper nach oben. Der Mann war bis auf ein Lendenschurz aus grobem, naturfarbenem Leinenstoff vollkommen unbekleidet und hatte eine makellose, leicht dunklere Haut. Schwarze, lange, lockige Haare fielen tief in sein Gesicht und als er aufblickte, offenbarten sich ebenso dunkle Augen, die verwirrt um sich blickten. Als er sich aufgerichtet hatte und sich umschaute, konnte man in seinem Gesicht noch deutlicher die Verwirrung über seinen Zustand erkennen. Er hielt sich die Stirn, schloss halb die Augen und konnte sich kaum aufrecht halten, als sein Wagen über einen Stein rumpelte. Kurzzeitig verlor er fast wieder das Bewusstsein, fing sich aber dann doch, schüttelte abermals den Kopf, als könne er die Müdigkeit, die ihn im Griff hatte abschütteln. Angestrengt versuchte er die Augen ganz zu öffnen und blickte nach oben, wo die Vormittagssonne vom Himmel schien und ihn daran erinnerte, dass seine Kehle wie Feuer brannte.

Der Gefangene blickte sich um und suchte die nahe Umgebung, weiter konnte er aufgrund des aufgewirbelten Staubs und beißenden Windes nicht sehen, nach einer weiteren Menschenseele ab und sein Blick blieben an einer gerüsteten Gestalt hängen, die einige Meter rechts von seinem Wagen entfernt, stur dem Pfad folgte und sich hin und wieder umsah.

“He! He ihr! Hallo!” rief der Gefangene dem Wind entgegen.

Der Wächter wandte sich zu ihm um, entfernte das Tuch, das die untere Hälfte seins Gesichts eingehüllt hatte, grinste dann hämisch und ging weiter ihres Wegs. Dann zog er das Gesichtstuch etwas enger, damit der Wind keinen Sand in Mund und Nase blasen konnte. Insgesamt war die Wache in die typische Kleidung eines Wüstenreisenden gekleidet. Eine Kapuze umhüllte den Kopf und wurde von einem bunten Band daran gehindert herabzurutschen. An der Kapuze war ein Gesichtstuch angebracht, das von einem weiteren Tuch fest hinter dem Kopf verzerrt wurde. Darauf folgte ein geschlitztes, langes Hemd aus einem leichten, roten Leinenstoff. Damit Rüstteile angebracht werden konnten, wurde der weite Stoff mit Lederstreifen an den Beinen verschnürt und am Torso, Oberarmen und -beinen wurden luftig geschnittene Lederrüstungsteile befestigt. Kein sonderlich beeindruckender Schutz, aber die Wüste hatte durch ihr unbarmherziges Klima mehr Opfer gefordert, als alle Räuber und Gefahren seit der hyborischen Geschichtsschreibung und so musste man auf der Reise Kompromisse eingehen, um auch ganz ohne Gefahren lebend am Ziel anzukommen.

Langsam dämmerte dem Unglücklichen, in was für einer Situation er sich befand. Er hatte sich umgeschaut und die Wägen erkannt. Regelmäßig hatte er sie auf dem Sklavenmarkt stehen sehen und befand sich zu seinem Schrecken nun selbst in einem.

“He Wache! Es muss ein Missverständnis vorliegen, eine Verwechslung! Ich gehöre nicht hier rein.” Verzweifelt versuchte er die Aufmerksamkeit der Wache zu erregen, die jedoch ignorierte ihn standhaft, also sah er sich erneut angestrengt um.

Der Boden des Wagens war mit Heu ausgelegt, damit man den Unrat der Sklaven leichter reinigen konnte und im vorderen Eck war ein Loch, durch das man aber bestenfalls einen Arm oder im gedachten Sinne, seinen Stuhlgang bekommen konnte. Die Gitter waren Eisenbänder, die ein quadratisches Maschennetz mit Löchern von Handbreite ergaben, durch das vielleicht ein Kinderkopf gepasst hätte. Wütend begann er an den Eisenbändern zu rütteln, doch die Nieten im Wagen und den  Bändern hielten dem Ausbruch mühelos stand und so ließ er sich nach kurzem erschöpft hinabsinken und versuchte sich mit seiner Situation abzufinden.

Der Wagenzug rollte derweil ruhig weiter. Man hörte nur ab und zu eines der Tiere röhren, das Knarzen der Räder und klatschen der Reitgerten, die ab und an auf den Flanken der Tiere aufschlugen, über das Rauschen des Windes hinweg.

LARP-Bericht zum Aemberwyn 6 – Eine Frage der Loyalität

Aemberwyn 6 – Eine Frage der Loyalität. Für viele Spieler war es keine Frage der Loyalität wieder auf einem ihrer liebsten Cons des Jahres aufzutauchen, sondern eine Selbstverständlichkeit. Das gleiche galt auch für meine Freundin, mich und viele andere, liebgewonnene Gesichter der letzten Jahre. Die Grundlage für ein auf mehrere Arten fantastisches Wochenende waren somit gelegt.

Das Land ist in Aufruhr, die Rebellion des letzten Jahres ist gewachsen und der Fürst befindet sich im offenen Krieg gegen die Rebellion. Seine Bemühungen, die in Elbyndael aufkeimenden Rebellen zu ersticken, blieben erfolglos und die Ritter des Rosensterns kommen auch ein Jahr später zusammen, um einen endgültigen Thronfolger zu bestimmen. Gerüchte über einen verlorenen Königssohn, politische Interessen der einzelnen Parteien, eine mysteriöse, tödliche Seuche, Streit um einen uralten Paktgegenstand, das noch immer verletzte Herz des Waldes, die Schwanengarde im Wald, ein Ketzerkult, ein verschollenes Grabmal und noch vieles, vieles mehr garantierten, dass niemand auch nur für eine Sekunde zum durchatmen kam.

Auch dieses Jahr klappte die Kommunikation mit der Orga prächtig und ein unermüdliches Team aus scheinbar nimmer müden Herren und Damen beantwortete punktgenau die Fragen der Spieler. Wenn etwas nicht ganz klar war, wurde es schnell über ihr ausgeklügeltes Funksystem (Radio Aemberwyn – der kleine Wolfi möchte von seiner Mama abgeholt werden ;)) nachgefragt und es waren zur meisten Zeit alle im Bilde, was keineswegs selbstverständlich ist und auf den meisten Cons ansonsten für Probleme und Verwirrungen sorgt.

Das komplexe System der größtenteils frei agierenden NSCs, wurde auch dieses Jahr beibehalten und so wusste man bis zum Schluss nicht, wer denn nun NSC oder Spieler war und warf solche Gedanken gleich zu Beginn über Bord und spielte einfach drauf los. Was beim ersten Aemberwyn noch für den einen oder anderen Schluckauf sorgte, ist inzwischen so gut ein-, aus- und zusammengespielt, dass es eine willkommene Abwechslung zum gescripteten einerlei der LARP-Welt darstellt.

Wie jedes Jahr waren alle Aemberwahnzutaten vorhanden und auch wenn es für die Kenner langsam langweilig wird, sollte man nicht müde werden die übermenschlichen Leistungen des Tavernenteams hervorzuheben, das mit einer Selbstverständlichkeit Leistung vollbrachte, die noch immer in der professionellen Gastronomie keineswegs an der Tagesordnung sind. Großartige Leistung!

Aus den oben aufgezählten Zutaten, mischte sich dann übers Wochenende ein bunter Mix aus Verschwörungen, Misstrauen, Geheimnissen und Enthüllungen, von Dieben und Dieben des Diebens das gediebt wurde. Brutaler Ziegenmord, frivole Elfensuchzettel, schmackhafte Heidenhöhlenpfännchen, ab Samstag mit extra Ziegenfleisch! Kurz um, es war der ganz normal (fantastische) Aemberwahn in seiner schönsten Form.

Bildergallerien vom Aemberwyn 6

Seelenjäger – Teil 1

Vor ein paar Tagen bin ich mitten in der Nacht (3:21) aufgewacht und mein Kopf drehte sich vor lauter Gedanken und ich fühlte mich gestresst und gehetzt. Ich bin dann einfach aufgestanden, um meine Freundin nicht weiter zu nerfen, da sie einen sehr leichten Schlaf hat.

Ich habe mich dann auf die Couch gehockt und meinen kleinen Laptop gebootet, um mich mit irgendwas zu beschäftigen, das meine Gedanken sortiert. Also habe ich mir gedacht, ich beschreibe einfach mal meine Gedanken so, als würde ich eine Geschichte erzählen und schaue, wo mich das Ganze hinbringt 😀

Das ist jetzt das Ergebnis von 2 Stunden am Stück schreiben. Danach waren meine Gedanken sortiert, mein Kopf klar und ich bin um 5:irgendwas auf der Couch eingeschlafen und habe bis viertel nach zehn durchgeschlafen. Keine Ahnung ob ich das jemals weiterschreibe oder ob es überhaupt interessant und gut genug geschrieben ist, aber ich dachte, die Situation war merkwürdig genug, um es mal auf dem Blog festzuhalten.

Seelenjäger – Der alte Mann

Ein Stimmentanz hielt ihn wach; den Kopf auf der einen Seite, dann auf der anderen und doch ergab nichts einen Sinn. Ein Gefühlsschauer lief durch seinen Körper und er drehte sich im Bett umher wie eine hochschwangere, erfüllt voller Nervosität und der Angst vor der Geburt. Es sollte, es konnte nicht sein. Seine Gedanken kreisten sich um ein Zentrum, das keinen Weg und kein Ziel hatte, dann ihn ergriff ein Schwindel, der ihn langsam aber sicher aus dem Schlaf riss.

Langsam schlug er die verquollenen Augen auf und schaute sich im nachtfinstren Schlafraum um. Dieser war erfüllt vom Schein der Straßenfeuer, die draußen vor dem Fenster in ihren goldglänzenden Schalen vor sich hinknisterten. Das kalte, blaue Licht der Lampen erstrahlte zu dieser Zeit noch überall in den Gassen. Es war kurz vor Morgengrauen und ein Gefühl der Ohnmacht überkam ihn. Schon wieder eine Nacht wach verbracht. Schon wieder nicht geschlafen, so wie er es sich nach all den Strapazen verdient hatte. Er setzte sich im Bett auf und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Seine Gedanken waren immer noch bei diesem Mädchen; bei ihr und all den anderen Dingen, die ihn gestern im Laufe des Tages geradezu überschwemmt hatten.

* * * *

Das Ministerium hatte ihn um einen Gefallen gebeten und auch wenn es ihm zuwider war diesen Halsabschneidern auch nur mit einer zuckenden Wimper wohltuende, frische Luft zuzufächeln, so konnte er nicht umhin sich einzugestehen, dass sein Auftragsbuch leer war und die Menschen einfach nicht mehr so häufig wie früher seine Dienste in Anspruch nahmen. Wer benötigte in den Tagen der Aufklärung, der dampfgetriebenen Wunderwerke schon einen Seelenjäger. Die rückschrittlichen Köpfe in den Ministerien waren genau die Art von Kundschaft, die er gebrauchen konnte: reich, gutgläubig und immer bereit sich eine gute Geschichte auftischen zu lassen.

Ein lautes Hupen auf der Straße neben ihm und eine starke Schulter, die gegen seine prallte riss ihn aus den Gedanken.

„Hey! Kannst du nicht aufpassen? Träum’ woanders… Opa!“

„Träumen?“ dachte er sich. „Träumen wäre mal wieder schön.“ Hätte er zu diesem Zeitpunkt gewusst, wie atemlos, beunruhigt und von Traumbildern gejagt er die nächste Nacht verbringen würde, hätte er seinen leichtsinnigen Wunsch wohl verflucht und sich selbst geohrfeigt. Aber zu diesem Zeitpunkt war der Wunsch nach einer traumerfüllten, fantastischen Nacht, inmitten all der schrecklich-trockenen Wirklichkeit, eine ersehnte Abwechslung.

Er sammelte seine Gedanken aus dem Scherbenhaufen der Bilder, die er im Verlauf des Tages gesehen hatte, zusammen. Die Stadt war im Umbruch begriffen und überall waren die Straßen erfüllt von Modernisierung; Lichter, die sogenannten Straßenfeuer, säumten die Gassen und versprachen ein nie erlöschendes Licht in dunklen Nächten, wo früher Nachtwächter für Ruhe, Ordnung und wohltuendes Kerzenlicht gesorgt hatten. Das kalte Licht der blauen Steine, die im Zentrum der goldenen Reflektoren schwebten, erschien ihm so widernatürlich und leblos. Blaue Flammen tanzten auf der Oberfläche der Kristalle und der Reflektor hielt den Stein durch ein Kraftfeld im Zentrum, sodass zu jeder Zeit das perfekte Licht auf die Straße darunter gestrahlt wurde. In den letzten Jahren schien alles so perfekt. Die Erfindungen schienen kein Ende zu nehmen und seit der Entdeckung der Kristalle schien keine Konstruktion zu absurd, zu sinnlos, um nicht das Leben der Menschen scheinbar zu bereichern.

Die Straßen waren nicht mehr erfüllt vom Gestank der Pferdeäpfel, dem Gebrabbel der armen Jungen und Mädchen, die fleißig die Überbleibsel der Vierbeiner aufsammelten, um sie dann auf dem Markt zu verkaufen; stattdessen hörte man jetzt nur das geschäftige Schnattern und das blaue Summen der Kristalle, die die neuen Dampfkutschen antrieben. So perfekt waren sie, dass ihm schlecht wurde. So schlecht, dass er um die nächste Ecke rannte und sich übergab. Einen Augenblick der Erleichterung später überlegte er kurz und kam zu dem Schluss, dass es vielleicht doch der Brandy von gestern gewesen war und nicht seine brennende Abscheu der neuen Technik gegenüber, die ihm sein Innerstes offenbart hatte.

Sein Abscheu war nicht ganz unbegründet, war diese Technologie doch so sprunghaft aufgetaucht und bot so umfassend Lösungen auf alte Probleme, dass das Interesse an der spirituellen Seite schnell verfiel. Während vor ein paar Jahren noch einige bereit waren Unsummen für einen Seelenjäger hinzublättern, so glaubten viele nicht mehr an ihre Fähigkeiten. Er verstand all das Misstrauen nicht. Er hatte viele Fälle gelöst und ob es nun die Seelen waren, die ihn zur Lösung führten, oder seine eigenen Fähigkeiten, spielte für ihn am Ende keine Rolle. Das Ministerium erlaubte aber nur Seelenjägern sich in die Belange der Wächter einzumischen und so blieb ihm damals kein anderer Weg als den Glaubenstanz mitzumachen. Inzwischen waren die Menschen aber, zum Leidwesen des Ministeriums, vom Glauben abgefallen und sein Büro im Herzen der Stadt war die meiste Zeit nur mit ihm und einer Flasche Brandy besetzt, mit der er, solange sie voll war, interessante Unterhaltungen führte, oder so lies es der Brandy ihn glauben.

Es war der Brandy. Er sah an der Wand herunter und betrachtete kurz wessen er sich entledigt hatte und da außer einer braunen Flüssigkeit nichts zu sehen war, fiel ihm ein, dass er seit zwei Tagen vergessen hatte etwas zu essen.

Er blickte nach rechts in die dunkle Seitengasse, die er für sein Geschäft gezwungenermaßen ausgewählt hatte und da stand sie. Inmitten des Trubels saß sie in dieser Gasse hinter einem alten, viereckigen, zwei Meter großen Mülleimer und spähte vorsichtig nach dem besorgniserregenden Geräusch, dass er von sich gegeben hatte, als er seine Wandverschönerung erschaffen hatte.

„Hallo?“ ertönte ihre Stimme vorsichtig und leise aus dem Dunkel der Gasse; die tief gezogenen Überhänge der Dächer schluckten jedes Tageslicht und der ewige Ruß in der Luft tat sein übriges und so fiel nur Licht von der Straße her in die dunkle Einbuchtung zwischen den Häusern „Geht es ihnen gut Sir?“

Sogar die Bettler machten sich jetzt schon Sorgen um ihn; er musste wohl noch erbärmlicher wirken, als ihr eigenes fruchtloses Leben.

„Nein Kleines. Keine Sorge. Der Opa hat nur zu viel getrunken“ brachte er unter leichtem Würgen hervor. Da war noch ein letzter Schluck, der sich den Weg ins freie bahnte und so übergab er sich abermals.

Das kleine Etwas kam hinter dem Abfalleimer hervor und nachdem er sich aufgerichtet hatte und sie langsam ins kalte Licht eines Straßenfeuers trat, trafen sich ihre Blicke. Ihre Augen brannten blau und das nicht nur wegen des Feuerscheins, der so unnatürlich auf ihrem blond-roten Haar tanzte, eine Träne rollte ihre Backe hinab und sie streckte eine Hand tröstend nach ihm aus. Sie war vielleicht 10 Jahre alt, trug ein gräuliches Nachtlaken, dass hier in der Stadt an die Bettlerkinder ausgeteilt wurde und ihre blanken Füße waren, von all dem Ruß, den die Dampfkutschen auf den Straßen hinterlassen hatten, schwarz geworden. Ihr Gesicht war unter all dem Dreck kaum zu erkennen, bis auf diese flammenden, blauen Augen, die in der Dunkelheit zu brennen schienen.

„Sind sie wirklich in Ordnung Sir?“ Ihr schmutziges Gesicht war von Sorge erfüllt und sie kam schnell näher und stützte ihn, damit er nicht vor Schwäche vornüber fiel und sich seinen braunen Anzug versaute. Seine weißen, schulterlangen Haare hatten aber schon ein wenig vom Erbrochenen abbekommen, da er sie nie zusammenband oder anstalten machte, sie mit einer Klammer zu bändigen und seine tiefen Augenringe verliehen seinem Gesicht etwas Leichenhaftes.

Er stolperte gestützt von diesem grauen Lumpenkind ein paar Schritte weiter in die Seitengasse, die voller Unrat, Mülleimer und anderen Gerümpel stand und lies sich mit ihrer Hilfe langsam an einer Hauswand auf den Boden hinab.

„Ach Kleines, das wäre doch nicht nötig gewesen. Hier hast du ein paar Münzen.“ Er streckte ihr alles entgegen, was er noch in seinen Hosentaschen fand, das eigentlich für die nächste Flasche gedacht gewesen war und lächelte schief.

Das Mädchen strich ihm mit den kleinen Händen übers Gesicht, lächelte ihn mütterlich an und wieder rollte eine kleine, einzelne Träne über ihre schmutzige Wange und gab ihre weiße Haut darunter frei. Ihre Stimme klang warm und hell, wie ein sanfte Brise an einem sonnigen Frühlingsmorgen und er fühlte sich plötzlich frei von aller Last.

„Ihre Münzen werden nicht gebraucht. Sie sollten sie lieber für etwas zu essen einsetzen. Es sieht nicht so aus, als hätten sie heute schon etwas gegessen.“ sagte sie und deutete auf die Hausecke und die dünnflüssige Brühe, die dort hinablief.

Er bemerkte die Tränen in ihrem Gesicht und sah sie besorgt an: „Wieso weinst du?“

Sie lächelte ihn an, „für Sie.“

Ein Gefühl der Scham überkam ihn und er konnte ihr nicht mehr ins Gesicht schauen. Dieses kleine Mädchen hatte für diesen alten Narren Tränen vergossen, weil er ihr so schäbig erschien, wie ihr eigenes Leben nicht sein konnte. Wie konnte er so tief sinken? Er stütze sich mit einer Hand an der Wand ab und rappelte sich langsam wieder hoch. Seine Beine gaben ihm erstaunlicherweise wieder Halt und er konnte ohne zu schwanken auf ihnen stehen. Er fühlte sich so, als hätte er eine gute Nacht geschlafen und blickte auf das Mädchen herunter, dass ihn mit schräg gestelltem Kopf musterte und immer noch leicht lächelte.

„Na na, nimm mal ruhig die paar Münzen. Du kannst dir ja davon vielleicht etwas für deine Füße kaufen. Sonst verletzt du dich noch irgendwo.“ So viele Bettlerkinder waren ihm über die Jahre begegnet, so viele hatten ihn mit ihren großen Augen angesehen und keinem hatte er je auch nur eine Münze zugesprochen. Wie Ratten empfand er diese sich ewig vermehrende Brut der Straße, die jeden Passanten belästigte und nur zur Reinigung der Straßen vom Pferdedreck gut war. Kleine Menschen, ohne Gewissen. So hatte er immer über sie gedacht. Zu allem bereit und zu nichts fähig.

Er kniete vor ihr nieder, nahm sanft die Hand des Mädchens, platzierte die Münzen darin und schloss sie wieder. Das würde für ihn und seine Situation kein Essen bedeuten, aber es erschien ihm völlig abwegig dieses kleine Wesen ohne Dank davon zu schicken, obwohl er noch nicht einmal genau wusste, wofür er ihr danken wollte. Er lächelte und machte sich langsam auf den Weg aus der Gasse. Von hinten spürte er wie der Blick des Mädchens auf ihm ruhte. Ohne sich umzusehen, hob er die Hand zum Abschied.

„Keine Sorge, Opa kommt gut heim. Nun lauf und hol dir was zu essen und etwas für deine Füße… und… pass auf dich auf.“ Er war aus der dunklen Seitengasse getreten, stand auf dem Gehweg und wandte sich links und ging ein paar Schritte den Weg entlang.

„Wir haben Dich nicht vergessen, William. Vergiss Du nun auch Dich nicht.“ Die Stimme des Mädchens, klar und deutlich als würde sie neben ihm stehen und ihm ins Ohr flüstern, klang wie ein warmer Wasserfall aus flüssigen Blumen, die sich über seinen Kopf ergossen und ihm wurde fast schwindlig, so intensiv traf ihn das Gefühl. Ein Schauer lief ihm über den Rücken und er drehte sich schnell um, sah aber nur zwei Burschen, die auf dem Weg zur Arbeit waren.

„Zur Seite!“ rief er und er schob die verdutzten Gestalten auseinander und stürmte rechts in die Gasse.

Sie war menschenleer und dunkel.

Das innere Kind

Meine Freundin war bisher noch nie im Bodanrück Freizeitpark und da wir diesen Samstag schönes Wetter hatten, haben wir uns dazu entschlossen dorthin zu fahren. Mein letzter Besuch war als ich neun Jahre alt war und die Erinnerungen – bis auf die Haltung des Wolfsrudels, der Bären und des Luchses, das hat mir schon als Kind nicht gefallen – waren eigentlich nur positiv.

Der Park selbst ist ein Rundgang entlang verschiedener Rotwild, Schwarzwild und Wisent-Gehegen, der dann auf einem großen Spielplatz endet, auf dem die Eltern dank quengeligen Anhangs ihres hart verdienten Geldes entledigt werden, indem der kleinmenschliche Aufwuchs mittels reizvoller Fahrgeschäfte zum Konsum verleitet wird. Ansonsten bietet sich den eher grundsolide veranlagten Kindern ein mittelgroßer Spielplatz mit Hüpfburgen, Drehscheiben (ja sowas war ganz spannend, als ich noch klein war), Wackelbrücken, Teppichrutschen, Schaukeln und allerlei anderer altbackener, körperlich involvierter Unterhaltungsmethoden.

Erwartungsgemäß war der größere Andrang der kleinen Menschen bei den Fahrgeschäften zu finden, während sich die erfreulich schlanken Nachkommen tatsächlich aktiv auf dem großen Spielplatz vergnügten. Die Begeisterung über ein Drehfass oder eine einfache Wackelbrücke, auf der sich die Kinder spielend Ertüchtigen scheint auch heute noch ein Lachen auf Kindergesichter zu zaubern.

Was mich verwunderte war das Gefühl, das mich beschlich, als ich auf den Spielplatz trat. So lange war es her, dass ich auf den grünen Wogen wandelte und doch war jeder einzelne Hort des Spaßes noch in meiner Erinnerung geblieben. Das Gefühl auf der Wackelbrücke beim Rennen fast zu stürzen, das Schwindelgefühl in der Drehtrommel und die körperlich spürbare Zentripetalkraft auf der Drehscheibe hatten sich in meine Erinnerung geätzt. Aus dieser Begeisterung heraus verspürte ich den inneren Drang sofort auf die mir so liebgewonnenen Spielobjekte loszustürmen, um die Erinnerung mit neuem Schwung zu erfrischen. Das innere Kind war vollends ausgebrochen.

Wer jetzt meint, der erwachsene Johannes wäre enttäuscht im Drehfass in sich zusammengesunken oder auf der Wackelbrücke mit müder Miene flaniert, der ist weit gefehlt. Der ganze Quatsch, das sinnlose Spiel sind für mich persönlich nach wie vor so reizvoll, wie sie es als Kind für mich waren, mit dem einzigen Unterschied, dass mir in der Erinnerung, mangels gleicher Körpergröße, alles natürlich sehr viel größer und spektakulärer vorkam. Das reine Gefühl aber, die Freude am stolpern, der Schwindel und das unfreiwillige Lachen, wenn man im Drehfass taumelt, ist immer noch so wie es früher war.

Das einzige traurige an diesem Tag waren die Erwachsenen. Während ich mich noch lebhaft an meine Eltern erinnerte, die (besonders mein Vater) mit mir in der Drehtrommel rannten, an den Pendelschaukeln hingen und sich auf der Drehscheibe fast die Eingeweide rausgedreht haben, waren hier alle so schrecklich angepasst, dass ich mich wie auf einem Friedhof fühlte, wären da nicht die ganzen Kindern gewesen, die das ruhige Schweigen der Eltern mit Leben füllten.

Mit zweifelndem Blick wurde man betrachtet, wenn man lachend über die Wackelbrücke rannte und mit müdem Lächeln, das natürlich sofort mit vorsichtigem Tuscheln quittiert wurde, betrachtet, wenn man verrückte Fotos an der Pendelschaukel schoss. Wie alt seid ihr geworden? Habt ihr denn schon alles vergessen? Seid ihr so angepasst, dass auch nur die Möglichkeit des Spots euch dazu bringt euch jedweden Spaß zu vergällen? Wie wollt ihr den Spaß mit euren Kindern teilen, wenn ihr so schwer damit beschäftigt seid nicht aus dem Rahmen zu fallen, den ihr euch alle gegenseitig aufzwingt?

Lasst doch mal allen Fünfe grade sein und stolpert mit euren Kindern über die Hüpfburg. Geht das Risiko ein euch lächerlich zu machen, wenn ihr auf der Wackelbrücke stolpert. Vieles was ihr verloren geglaubt, ist nur begraben unter Lagen aus Gruppenzwang und Selbstbetrug. Wir sind alle Zeit unsres Lebens Kinder und sollten alle ab und an nach innen Horchen. Wenn man ganz leise ist, dann hört man es noch lachen, das innere Kind.