Das innere Kind

Meine Freundin war bisher noch nie im Bodanrück Freizeitpark und da wir diesen Samstag schönes Wetter hatten, haben wir uns dazu entschlossen dorthin zu fahren. Mein letzter Besuch war als ich neun Jahre alt war und die Erinnerungen – bis auf die Haltung des Wolfsrudels, der Bären und des Luchses, das hat mir schon als Kind nicht gefallen – waren eigentlich nur positiv.

Der Park selbst ist ein Rundgang entlang verschiedener Rotwild, Schwarzwild und Wisent-Gehegen, der dann auf einem großen Spielplatz endet, auf dem die Eltern dank quengeligen Anhangs ihres hart verdienten Geldes entledigt werden, indem der kleinmenschliche Aufwuchs mittels reizvoller Fahrgeschäfte zum Konsum verleitet wird. Ansonsten bietet sich den eher grundsolide veranlagten Kindern ein mittelgroßer Spielplatz mit Hüpfburgen, Drehscheiben (ja sowas war ganz spannend, als ich noch klein war), Wackelbrücken, Teppichrutschen, Schaukeln und allerlei anderer altbackener, körperlich involvierter Unterhaltungsmethoden.

Erwartungsgemäß war der größere Andrang der kleinen Menschen bei den Fahrgeschäften zu finden, während sich die erfreulich schlanken Nachkommen tatsächlich aktiv auf dem großen Spielplatz vergnügten. Die Begeisterung über ein Drehfass oder eine einfache Wackelbrücke, auf der sich die Kinder spielend Ertüchtigen scheint auch heute noch ein Lachen auf Kindergesichter zu zaubern.

Was mich verwunderte war das Gefühl, das mich beschlich, als ich auf den Spielplatz trat. So lange war es her, dass ich auf den grünen Wogen wandelte und doch war jeder einzelne Hort des Spaßes noch in meiner Erinnerung geblieben. Das Gefühl auf der Wackelbrücke beim Rennen fast zu stürzen, das Schwindelgefühl in der Drehtrommel und die körperlich spürbare Zentripetalkraft auf der Drehscheibe hatten sich in meine Erinnerung geätzt. Aus dieser Begeisterung heraus verspürte ich den inneren Drang sofort auf die mir so liebgewonnenen Spielobjekte loszustürmen, um die Erinnerung mit neuem Schwung zu erfrischen. Das innere Kind war vollends ausgebrochen.

Wer jetzt meint, der erwachsene Johannes wäre enttäuscht im Drehfass in sich zusammengesunken oder auf der Wackelbrücke mit müder Miene flaniert, der ist weit gefehlt. Der ganze Quatsch, das sinnlose Spiel sind für mich persönlich nach wie vor so reizvoll, wie sie es als Kind für mich waren, mit dem einzigen Unterschied, dass mir in der Erinnerung, mangels gleicher Körpergröße, alles natürlich sehr viel größer und spektakulärer vorkam. Das reine Gefühl aber, die Freude am stolpern, der Schwindel und das unfreiwillige Lachen, wenn man im Drehfass taumelt, ist immer noch so wie es früher war.

Das einzige traurige an diesem Tag waren die Erwachsenen. Während ich mich noch lebhaft an meine Eltern erinnerte, die (besonders mein Vater) mit mir in der Drehtrommel rannten, an den Pendelschaukeln hingen und sich auf der Drehscheibe fast die Eingeweide rausgedreht haben, waren hier alle so schrecklich angepasst, dass ich mich wie auf einem Friedhof fühlte, wären da nicht die ganzen Kindern gewesen, die das ruhige Schweigen der Eltern mit Leben füllten.

Mit zweifelndem Blick wurde man betrachtet, wenn man lachend über die Wackelbrücke rannte und mit müdem Lächeln, das natürlich sofort mit vorsichtigem Tuscheln quittiert wurde, betrachtet, wenn man verrückte Fotos an der Pendelschaukel schoss. Wie alt seid ihr geworden? Habt ihr denn schon alles vergessen? Seid ihr so angepasst, dass auch nur die Möglichkeit des Spots euch dazu bringt euch jedweden Spaß zu vergällen? Wie wollt ihr den Spaß mit euren Kindern teilen, wenn ihr so schwer damit beschäftigt seid nicht aus dem Rahmen zu fallen, den ihr euch alle gegenseitig aufzwingt?

Lasst doch mal allen Fünfe grade sein und stolpert mit euren Kindern über die Hüpfburg. Geht das Risiko ein euch lächerlich zu machen, wenn ihr auf der Wackelbrücke stolpert. Vieles was ihr verloren geglaubt, ist nur begraben unter Lagen aus Gruppenzwang und Selbstbetrug. Wir sind alle Zeit unsres Lebens Kinder und sollten alle ab und an nach innen Horchen. Wenn man ganz leise ist, dann hört man es noch lachen, das innere Kind.

Schaffe, schaffe Studio baue…

Seit etwa einem Monat gibt es außer der Baustelle Wohnung – die erst vor kurzem wieder eröffnet wurde, da wir unser Bett erneuern und das Schlafzimmer umgestalten wollen – noch eine neue Bastel- und Baustelle: Das Fotostudio meiner Freundin.

Vor einigen Wochen ergab sich die überraschende Möglichkeit aus dem kleinen 24 m² kleinen Studio im Erdgeschoss eines uralten Fabrikgebäudes in den dritten Stock eben jenes zu wechseln. Da sie schon seit Monaten mit der ursprünglichen Lösung nicht mehr zufrieden war und der Kauf- und Accessoirerausch zu einer dauerhaften Überbelegung des kleinen Raumes geführt hatte, schnappte sie die Möglichkeit sofort beim Schopf und kontaktierte den vorläufigen Mieter des dritten, über 350 Quadratmeter großen, Stockwerks. Ausgehandelt wurde die Abtrennung eines ca. 100 Quadratmeter Stücks der länglichen Fabrikhalle.

Abtrennung. Wie trennt man denn eine Fabrikhalle, die vor der Jahrhundertwende 1900 gebaut wurde ohne sich gleich in Unkosten zu stürzen?

Zusammen mit meinem Vater erknobelten wir einen Plan, bei dem sich ein paar (über 30) Rigipsplatten mit Dachlatten und kleinen Holzbalken zu einer selbsttragenden Wand vereinigen würden. Diese verspannten wir mit aus Stahlstreifen gezimmerten Manschetten. Ergänzt wurde die Wand dann praktischerweise durch eine günstige Tür + Zarge aus dem Heimwerkermarkt unseres Vertrauens.

Das merkwürdige ist das man sich nach all der Arbeit irgendwie zufriedener fühlt, als wenn man sechs Monate in virtuellen Arbeitswelten verbracht hätte. Diese anstrengende, körperliche Arbeit wirkte fast wie Erholung und die aufeinander folgenden Wochenenden waren erholsamer als wenn ich sie auf dem Sofa zugebracht hätte. Auch wenn wir viel Knobeln musste, so war die Arbeit doch erfrischend klar und einfach und das Ergebnis offensichtlich. Vieles von dem was ich sonst so tue verschwimmt einfach im Nichts des Internets und sei es noch so ausgefallen oder gelungen.

Minecraft – Der Tiefenrausch

Die letzten paar Wochen verbrachte ich in den Untiefen der Welt von Minecraft. Ein einzigartiges Spiel, das vor allem einen Aspekt des Spielens zelebriert, den Selbstzweck. Es gibt kein Ziel, keine Punkte, keine Karotte, die es zu fangen gilt. Einzig und allein der Spaß am Sein ist Sinn und Zweck des Spiels.

Eine Community, die sich kreativ gegenseitig fordert und herausfordert, begeistert und bereichert verfolgt die aktive Entwicklung von Minecraft und dem heiligen Notch, wie der Hauptentwickler gerne genannt wird und immer wieder fixt man sich gegenseitig an, noch eine scheinbar unmöglichere und verrücktere Idee umzusetzen.

Während ein Teil der Community auf die Größe von Objekten fixiert ist – Kompensations? – so konzentrieren sich andere darauf bekannte Objekte, Gebäude oder ganze Spielwelten nachzubauen und verlieren sich in Details. Wieder andere haben einfach Spaß am Blödsinn machen und sprengen einfach möglichst viel, möglichst spektakulär in die Luft. Wieder andere konzentrieren sich ganz auf die clevere Problemlösung und suchen immer neue Wege wie man die vorhandenen Möglichkeiten und auch Bugs des Spiels dazu ausnutzen kann, die absolut wahnwitzigsten Konstrukte und Ideen umzusetzen.

Alles in allem hat mich Minecraft beflügelt, weil es so wenig und durch die legoartige Auflösung doch auch so viel Einschränkungen bietet. Die Welt ermöglicht scheinbar alles, jedoch die Werkzeuge sind begrenzt. Diese Einschränkungen kombiniert mit scheinbar unendlichen Kombinationsmöglichkeiten sind es, die einem einen Spielraum bieten, der durch seine optische, visuelle Limitierung nicht beängstigt und einen mit groben Pinselstrichen seine pixelnd expressionistischen Träume verwirklichen lässt.

Der perfekte Raum für kindliche Kreativität.

LARP-Bericht zum Aemberwyn 5 – Vogelfrey

In düsteren Stunden, da hausen die Geister der Toten in der Welt der Lebenden. Wenn dunkle Kulte, niederträchtige Priester und Untote ein Land ins Chaos stürzen und der Fürst unterdessen die Menschen in die Knechtschaft zwingt und nicht mehr den Zehnten verlangt, sondern was übrig bleibt, wenn man den Zehnten dem Bauer lässt, dann ist es wieder Zeit nach Aemberwyn zu ziehen; dann ist es wieder Zeit in Elbyndael nach dem Rechten zu sehen und sich mit den Köstlichkeiten aus Kwinns Taverne den Bauch vollzuschlagen!

Aemberwyn war wie jedes Jahr erfüllt von Verschwörungen, so viel Graustufen in den Charakteren der NPCs, dass sich ein 8-bit Graustufenbild vor Neid endlich den 32bit Adressraum wünschen würde (Informatikermetapher) und einer wunderbar leidenschaftlichen Orga, die sich zu jeder Tages- und Nachtzeit um die Spieler und ihre Belange kümmerte. Dabei blieb sie motiviert und freundlich, auch wenn die Wünsche und “Machtbedürfnisse”mancher Spieler wie gewohnt dazu tendierten den Machtrahmen des Cons zu sprengen oder einfach nur zusätzliche Arbeit in einer sicher schon alleine hektischen Zeit bedeuteten.
Ergänzt wurden diese Höchstleistungen dann durch die ebenso höchstleistende Tavernencrew, die ebenso mit scheinbar unendlicher Ruhe, Geduld und übermenschlicher Ausdauer den Begriff “Dienstleistung” in seiner vollen Güte dienend und leistend voll und ganz ausfüllten!
Die allermeisten NSCs waren wie immer top besetzt und die Glanzlichter so zahlreich, dass jede Aufzählung unweigerlich jemanden vergessen würde. Trotzdem möchte ich ein paar Charaktere aufzählen, die für mich persönlich einfach herausragend dargestellt waren. Dabei ist es im Prinzip egal, ob sie einfach nur perfekt ausgewählt wurden und ihnen die Rolle wie auf den Leib geschneidert schien oder Schauspielkunst dahinter steckt.

  • Der herrlich undurchschaubare, leidenschaftlich lügende Beorn-Priester und seine Begleitung
  • Die gefühlvoll dominant, erhabene Darstellung der Gräfin
  • Die wissenschaftlich verträumte Questorin
  • Der breit grinsende Sonnenschein in Form des Vogts, dessen wunderbar ausweichender Urteilsspruch wohl jedem Juristen ein Lächeln aufs Gesicht zauberte
  • Die brutale Schweinegarde! Der arme Holzstapel! Habt ihr denn kein Herz für Holz?

Kurzum, wem das Con keinen Spaß gemacht hat, ist selbst schuld, denn geboten wurde für praktisch jeden etwas. Bis zum nächsten Jahr, wenn wir hoffentlich geeint, angeführt von einem neuen König, in unserer Mitte von Kultisten verraten, Edelleuten benutzt und Priestern gesegnet gegen den Fürsten ziehen und erneut, und sei es auch nur für ein paar Tage, dem Aemberwahn verfallen!

Weitere Bildergalerien

Urlaub. Und wieso strengt das eigentlich so an?

Seit 2 1/2 Jahren hatte ich keinen Urlaub mehr. Der Wechsel vom Studenten mit mehreren Monaten Freizeit hin zur metropolisähnlichen Mensch-Maschine wurde also rasch vollzogen. Natürlich waren Überstunden an der Tagesordnung und irgendwie hatte man das Gefühl, das geht ja schon alles. Wie es scheint bin aber auch ich nur ein Mensch und so spürte ich die letzten 2-3 Monate einen deutlichen Energieverlust. Es war Zeit für Urlaub.

Jetzt ist er da! Seit Montag bin ich offiziell zum ersten mal im Urlaub! Natürlich hat sich der Sommer pünktlich zum 2. August aus Süddeutschland verabschiedet und aus erholsamen Stunden am See wurde die Suche nach Beschäftigung – da rumliegen auf dem Sofa aus verschiedenen Gründen nun gar nicht so erholsam ist, wie das Bräunen des Traumkörpers nahe den rauschenden Wellen.

Die Umbauarbeiten der Wohnung wurden also voran getrieben (Bilder werden folgen), verschiedene Projekte wurden schon Ende letzter Woche angestoßen und die Zeit dazwischen verbrachten wir (Geraldine und moi) mit Kollegen – hauptsächlich Markus, der gerade aus Oslo zu Besuch ist.

Ich bin bei Tag 3 meines Urlaubs angekommen und fühle mich müder als je zuvor. Die letzten Tage des Schaffens und Bastelns, Einkaufens und Wanderns, die erholsamen Urlaubstage haben mich mehr geschafft, als 2 1/2 Jahre durcharbeiten.

Der Urlaub kann mich mal, ich brauch mal Urlaub vom Urlaub…

PINK Konzert in Salem

Gestern Abend waren wir auf dem PINK Konzert in Salem. Es war ein Abend voll lauter Lichter, magenerschütternden Bässen, grellen Tönen und einer energiegeladenen Pink, die während der anderthalb Stunden wie ein Flummi über die Bühne fegte. Wir hatten unseren Spaß, unsere Ohren aber leider ihr Leid.

Pink ist eine außergewöhnlich charismatische, musikalisch begabte Künstlerin, mit einer wirklich tollen Stimmfarbe. Umso ärgerlicher war die Aussteuerung der Anlage in Salem. Alle lauteren Passagen vergingen im Dröhnen und Klirren der Boxen, der sonore Bereich ihres Stimmmikros war völlig übersteuert und so gab es einige Liedpassagen, die man guten Gewissens nur noch als laut bezeichnen konnte. Ein Jammer, denn eigentlich sind eben diese Passagen äußerst kraftvoll und voll wundervoll kombinierter Stimmharmonien zwischen Pink und ihren Bankground-Sängerinnen gestaltet gewesen.

Ab und an gab es einen Lichtblick, wenn den Ton-Ingenieur ein plötzlicher Anfall von geistiger und klanglicher Klarheit überkam und er den Kompressor und die Aussteuerung des Mikros justierte, leider waren diese Momente rar und weit verstreut.

Der eigentliche Ablauf der Show war gut durchorganisiert, aber gemessen an früheren Konzerterlebnissen -namentlich Sting vor ein paar Jahren in der Messehalle von Friedrichshafen – eher unspektakulär. Bis auf den wirklich beeindruckenden Anfang und den Rauchkanonen des Laufstegs, waren die Spezialeffekte und die Leinwandprojektion im Hintergrund sträflich unkreativ genutzt worden. Die Hintergrundleinwand wurde die meiste Zeit für leicht amüsante Stummfilmszenen der Künstlerin genutzt, die passend zum jeweiligen Song eingespielt wurden.

Vielleicht werde ich auch nur alt, aber ich fragte mich, ob ich der einzige auf dem Konzert war, der gerne etwas von der wirklich tollen Musik gehört hätte und dafür gerne auf etwas Lautstärke verzichtet hätte.

Brass forever! – Für immer Bronze/Messing

In einer Anstrengung alle hässlich-silbernen Elemente von meinem neuen, schön-schwarzen Schreibtisch zu verbannen, habe ich begonnen die Methode, die ich bei der Barfota verwendete habe auch auf andere Gegenstände meines täglichen Computergebrauchs auszuweiten. Nach und nach will ich so immer mehr Gegenstände dem neuen Stil anpassen und so meinem Schreibtisch einen bestimmten steampunkigen Look verpassen.

Begonnen habe ich mit meiner Maus und meiner Tastatur. Dazu habe ich die Tastatur auseinander geschraubt, die Tasten herausgetrennt und sie wie die Barfota mit schwarzem Sprühlack vorsichtig grundiert. Hierbei muss man darauf achten, den Lack nicht zu dick aufzutragen, da ansonsten die Lösungsmittel im Sprühlack die Oberfläche des Kunststoffs angreifen können, was zu Blasenbildung führen kann. Danach ganz normal wie zuvor mit BLIDFAG gebürstet, bis die Illusion passend war.

An dieser Stelle wäre vielleicht noch eine schützende Klarlackhülle sinnvoll gewesen, dazu war ich aber zu faul. Sollte sich der Lack von der Maus abreiben, werde ich sie einfach nochmals überziehen und mir dann auch noch einen matten Klarlack dazu kaufen.

Als weiteres Schmankerl hatte ich mich auf die Suche nach einer altmodischen Schweißerbrille gemacht. Wie ich bei Recherche auf den Steampunk-Seiten herausfand, wurden Brillen eines bestimmten Typs sogar bei verschiedenen Hollywood-Steampunk Produktionen, wie beispielsweise Sky Captain and the World of Tomorrow verwendet.

Dieser Brillentyp wird von einer deutschen Arbeitssicherheitsfirma produziert und für einen sehr geringen Obolus veräußert. Also hab ich mir drei verschiedene Exemplare zukommen lassen und bei einer davon versucht ob der Bronze-Effekt funktionieren würde. Hinterher merkte ich, dass die Brillen leider verzinkt sind und der Sprühlack äußerst schlecht auf der aufgedampften Zinkschicht hält und sehr leicht wieder abblättert.

Beim nächsten mal werde ich also die Zinkschicht erst anrauen, damit der Lack greifen kann. Trotz alle dem sieht sie cool aus und würde sich für Steampunk-Shootings meiner Freundin auf jeden Fall nützlich erweisen.

Ikea Barfota Lampen im Steampunk Look

Inspiriert durch einen großartigen Blog, die tollen Beispiele der kreativen Leute dort und durch die Tatsache, dass man gerade ja eh am umbauen ist, wollte ich mich auch an meinem ganz eigenen Ikeahack versuchen. Also flugs umgeschaut und die günstige Ikea Barfota Kerzenlaterne als lohnenswertes Ziel ausgemacht.

Da aber nun weder das Weiß, noch Kerzen sonderlich viel Steampunk-Charme versprühen, habe ich erst einmal in meinem geistigen Gerümpelkopf herumgekramt und mich an eine alte Technik aus der Tabletop-Zeit (Warhammer Fantasy – Zwerge ole!) erinnert: Trockenbürsten. Was im Kleinen geht, musste man doch auch irgendwie ins Große übertragen können. Gedacht, getan und folgende Einkaufsliste zusammengestellt:

  • Barfota Laterne
  • Matter schwarzer Sprühlack
  • Bronze Lack
  • Glühbirnenfassung
  • Dimmer
  • Kabel
  • Pinsel (so günstig wie möglich, danach sind sie hin!)

So war zumindest der Plan. Was folgte war eine beispiellos frustrierende Suche durch unsere Baumärkte und die darin enthaltenen, ratgebenden ratsuchenden Verkäufer in den Landes Marktfarben des jeweiligen Geschäfts.

Hier nun eine kleine Farbkunde, für die Uneingeweihten, zu denen übrigens auch die meisten Verkäufer zählten – ich auch, bevor mich Wikipedia aufklärte. Bronze-Lack ist nicht etwa was der Leihe darunter verstehen könnte, nein, weit gefehlt, es ist eine allgemeine Bezeichnung für Metallic-Lacke. Denn sie Metallic-Lacke zu nennen, wäre wohl viel zu einfach gewesen.

Eben dieses grundlegende Wissen musste ich (ohne Witz) den “Beratern” in jedem Baumarkt erst verklickern, die mich danach schulterzuckend zurückließen und etwas in der Richtung von “äh.. ja dann haben wir wohl keinen bronzefarbenen Lack” stammelten. Scheinbar ist “bronzefarben” eigentlich eher “antikgold” oder sonst einer naheliegenden Bezeichnung unterworfen.

Lange Rede kurzer Sinn, also eine Sprühdose mit Bronze-Lack in der Farbe antikgold gekauft und losgelegt.

Die gesamte Lampe samt Fassung einfach mit dem schwarzen Sprühlack schwarz grundieren und 20 Minuten trocknen lassen, bis die Oberfläche staubtrocken ist.

Danach schnappt man sich dann einen Pinsel, ein altes Marmeladenglas und sprüht etwas vom Bronze-Lack in der Farbe antikgold (ab hier nur noch BLIDFAG genannt) in das selbige und tunkt dann den Pinsel kräftig ein. Jetzt muss man den Pinsel selbst an einem Tuch (alte Unterhose, altes Hemd etc..) abtupfen, bis der Pinsel nicht mehr so feucht ist. Dann beginnt man über die Kanten hinwegzubürsten und beobachtet dabei, wie die Glanzpartikel nur auf den Kanten hängenbleiben.

Sobald der Pinsel weiter getrocknet ist, bürstet man dann ganz grob und kräftig auch die Fläche, sodass es aus sieht wie eine angelaufene alte Bronzefläche. Den BLIDFAG trägt man nach Belieben auf, man sollte aber darauf achten, dass die Verteilung möglichst körnig ist und die Pinselstriche nicht zu sehr zu sehen sind, sonst geht die Illusion verloren.

Danach bohrt man eigentlich nur noch ein Loch unten in den Boden der Lampe, befestigt die Birnenfassung und an dieser dann den Schalter. Dann schraubt man eine hübsche Glühbirne hinein, die möglichst weit geschwungene Glühfäden und ein klares Glas hat, steckt das in den Dimmer und eine dazugehörige Steckdose und erfreut sich am passend rustikalen Beleuchtungseffekt.

Meine Interpretation der “Weird Scientist Lamp” als Ikeahack. Bild in voller Aktion kommt, sobald die passende Glühbirne angekommen ist und die Lampe an ihrem zukünftigen Platz hängt.

Hey! Wir haben neue Möbel!

Im Zuge des Umbaus war wie angekündigt ein kurzer Ausflug ins schwedische Möbelhaus Ikea unumgänglich, um die dortig erhältlichen Vollholzmöbel zu begutachten und auszuwählen, welche sich als Ergänzung zu unseren Sheesam Möbeln gut machen würden. Zuerst wollten wir nur zwei Regale mitnehmen, haben uns dann aber kurzfristig noch dazu entschieden meinen Glasschreibtisch auszutauschen und auch einen schwarz-braunen Holzschreibtisch mitzunehmen.

Die Entscheidung dazu basierte auf der Idee meiner Freundin den Schreibtisch von der Wand in den Raum zu schieben. Da Ikea die meisten Schreibtische mit verzierter Rückwand entworfen haben, bot es sich an dort einen zu erwerben und keine 500 € für einen weiteren Sheesam Brocken zu investieren, da diese so gut wie alle hinten einfach nur flach sind und nur an der Wand zur Geltung kommen.

Also sind wir nach Ulm getigert und haben unseren Golf mit zwei Regalen und einem Schreibtisch, sowie unzähligen, scheinbar unnötigen Krimskrams vollgestopft. Ich glaube ja Ikea macht inzwischen mehr Geld mit Krams als mit den eigentlichen Möbeln. Die Krams-Etage lädt auch wirklich schrecklich zum verweilen und kramen ein. Außerdem ist diese Daim-Torte einfach verteufelt lecker.

Daim Torte im Ikea-Restaurant

Dann begann eine Marathon-Aufbauaktion.

Zuerst waren die Regale dran. Die waren relativ zügig und problemlos aufgebaut.

Regale im Anfangsstadium

Danach kam das Monster. Der Schreibtisch hielt uns bis um 2 Uhr nachts in Atem und unsere Nachbarn sicher, dank einiger gezielter, lautstark platzierter Hammerschläge, wach.

Der Schreibtisch nach der Nachtaktion

Dank des schraubenderweise exzessiven Einsatzes meines rechten Unterarms, habe ich jetzt eine halbe Sehnenscheidenentzündung (oder wie der Mediziner sagt: Karpaltunnelsyndrom) und starken Rückenmuskelkater – Miau, aber ich bin glücklich und zufrieden endlich mal wieder was Handfestes gemacht zu haben.

You got punk’d

Vor etwa einem Monat saß ich mal wieder vergeistigt an meinem Schreibtisch und starrte die weiße gelbe Wand an. Ein Entschluss musste gefasst werden. Es war Zeit endlich die schon lange geplanten Regale zu kaufen und die Verzierung der Wohnung abzuschließen in Angriff zu nehmen.

Der nächstliegendste Ort einen solchen Plan in die Tat umzusetzen ist das bekannte schwedische Möbelhaus und so hab ich werbeinspiriert gedacht “Hey, wusstest du schon…” und habe mich sofort auf die entsprechende Seite begeben und das Sortiment durchsucht. Ein entsprechendes Möbel war schnell ausgemacht. Mit Schrecken musste ich feststellen, dass mein Golf nicht die entsprechende Länge zum Transport des Schrankes haben würde und so wollte ich Tante Google befragen, um die Verpackungsgröße herauszufinden – inzwischen ist mir klar, dass selbige auch auf der Produktseite verlinkt ist ;).

Bei dieser Suche bin ich dann auf die Ikea-Hacker gestoßen, eine spannende und inspirierende Seite, auf der allerlei Leute Ikeaprodukte auf kreative Weise kombinieren, zweckentfremden und mit tollen Eigenkreationen ihren Wohnbereich bereichern. Auf eben dieser Seite bin ich an einem Artikel über einen Steampunk-Umbau eines Ikea-Möbel hängengeblieben. Dieses Möbel gefiel mir so gut, dass ich den Blog des Erbauers ebenso begann zu durchstöbern. An diesem Punkt war es um mich geschehen.

Wie durch Zufall hatte unsere Wohnung von Anfang an einen Möbelstil inne, der als sehr gute Basis für ein Steampunk-Home dienen könnte und auch wenn mich meine Freundin sicherlich mit Schimpf und Schande aus der Wohnung treiben würde, wenn ich Dampfkessel und Rohre installieren würde, so gefiel ihr die grundsätzliche Idee von dunklem Holz kombiniert mit Bronzeverzierung von Anfang an sehr gut.

So begann eine lange Entdeckungsreise durchs Netz, bei der ich auf diverse Seiten mit teils kreativ neuen, teils redundanten Infos gestoßen bin und so immer mehr Ideen für den Umbau sammeln konnte. Eine der Ideen war eine große alte Weltkarte über unserem langen Sofa, um der sprichtwörtlich gelben Leere etwas Charakter zu verpassen.

Im Laufe der nächsten Wochen werden wir ein Element nach dem anderen in die Wohnung packen und ich werde den Umbau die Einrichtung der Wohnung hier mit Bild und Wort dokumentieren.